Gewerbesteuer 2018-04-24T08:40:22+00:00

Gewerbesteuer einfach erklärt

Mit der Gewerbesteuer wird der Ertrag von Gewerbebetrieben besteuert. Wie hoch die Gewerbesteuer ist, ist davon abhängig wie viel Gewinn ein Unternehmen macht. Dabei hat jede natürliche Person und jede Personengesellschaft einen gewissen Freibetrag, der nicht versteuert werden muss. Darüber hinausgehende Gewinne unterliegen der Gewerbesteuer.
Nachfolgend erläutern wir, was es mit der Steuer für Gewerbebetriebe genau auf sich hat, wer sie zahlen muss und wie hoch der Steuersatz ist. Darüber hinaus wird der Aspekt der Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer beleuchtet.

Was ist Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer, die auf die objektive Ertragskraft eines Unternehmens, also auf den Gewinn, erhoben wird. Sie wird auch häufig als Gemeindewirtschaftssteuer oder Objektsteuer bezeichnet. Die Gewerbesteuer wird deshalb erhoben, weil die in einer Gemeinde ansässigen Unternehmen auch eine finanzielle Belastung für die Gemeinde darstellen. Um diese Belastung auszugleichen, erheben die zuständigen Finanzämter die Gewerbesteuer, die im Gewerbesteuergesetz geregelt ist.

Die Gewerbesteuer ist die umstrittenste und meist kritisierte Steuer im deutschen Steuersystem. Kritikpunkte sind zum Beispiel die großen regionalen Unterschiede durch verschiedene Hebesteuersätze sowie der Ausschluss verschiedener wertschöpfender Sektoren von der Gewerbesteuer.

Wer muss Gewerbesteuer zahlen? Wer ist davon befreit?

Jeder Gewerbetreibende muss Gewerbesteuer auf seinen Gewerbeertrag zahlen. Ob Sie gewerbesteuerpflichtig sind, liegt in Ihrer Tätigkeit begründet. Freiberufler, zum Beispiel Ärzte, Steuerberater, Journalisten oder Architekten sind beispielsweise davon befreit, Gewerbesteuer zu zahlen. Auch Forst- und Landwirtschaftsbetriebe sind nicht gewerbesteuerpflichtig.

Gewerbesteuer

ussten Sie mit der Aufnahme Ihres Geschäfts einen Gewerbeschein erwerben? Dann sind Sie in der Regel auch gewerbesteuerpflichtig. Die Gewerbesteuer wird jedoch erst dann fällig, wenn der Jahresgewinn den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt. Der Freibetrag gilt für Einzelunternehmen und Personengesellschaften, nicht aber für Kapitalgesellschaften.

Wie wird die Gewerbesteuer berechnet?

Die Gewerbesteuer berechnet sich auf der Basis des Jahreseinkommens abzüglich der Betriebsausgaben. Diesen Wert reduziert man um den Freibetrag von 24.500 Euro. Der Betrag, der nun übrig bleibt wird mit dem bundesweit einheitlichen Steuersatz von 3,5 Prozent besteuert und man erhält den Gewerbesteuermessbetrag. Das ist aber noch nicht der Gewerbesteuerbetrag, den man letztendlich an das Finanzamt überweisen muss. Stattdessen wird der Gewerbesteuermessbetrag mit einem Hebesatz multipliziert, der von Gemeinde zu Gemeinde variiert und immer wieder neu angepasst wird. Der Hebesatz beträgt mindestens 200 Prozent und ist insbesondere in Großstädten meist wesentlich höher. München hat etwa einen Hebesatz von 490 Prozent, das heißt der Gewerbesteuermessbetrag wird mit 4,9 multipliziert.

Beispiel:

  • Jahreseinkommen: 40.000 Euro
  • zu versteuerndes Einkommen: 40.000 Euro – 24.500 Euro = 15.500 Euro
  • Gewerbesteuermessbetrag: 15.500 Euro x 0,035 = 542,50 Euro
  • Gewerbesteuer: 542,50 Euro x 4,90 (Beispiel München) = 2658,25 Euro

Das Recht zur Festlegung des Hebesatzes ist laut Grundgesetz den Gemeinden vorbehalten und erfolgt durch die Finanzämter.

Wie und Wann ist die Gewerbesteuer zu entrichten?

Die Gewerbesteuer wird beim Jahresabschluss durch das Finanzamt mithilfe eines Gewerbesteuermessbescheids festgelegt. Sobald einmal ein Gewerbesteuerbetrag für Ihr Unternehmen festgelegt wurde, müssen Sie im folgenden Wirtschaftsjahr Vorauszahlungen leisten, wie es auch bei der Umsatzsteuer gehandhabt wird. Gewerbesteuervorauszahlungen erfolgen quartalsweise jeweils zur Mitte des Quartals, also am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und am 15. November.

Icon Kalender Gewerbesteuer Stichtag

Warum werden Gewerbetreibende steuerlich stärker belastet als Freiberufler?

Gewerbetreibende müssen zwar teilweise viel Gewerbesteuer bezahlen, dafür können Sie diese in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Gewerbetreibende müssen also weniger Einkommensteuer abführen als Freiberufler und sind dadurch steuerlich mit ihnen gleichgestellt.

Höhe der Gewerbesteuer

Die Berechnung der Höhe der Gewerbesteuer basiert nicht ausschließlich auf dem Gewinn eines Unternehmens. Stattdessen kommen viele weitere Komponenten hinzu, zum Beispiel Rentenzahlungen oder Auszahlungen an Teilhaber sowie Miet- und Pachtzahlungen. All diese Abgaben werden bei der Ermittlung des Gewinns abgezogen, bei der Ermittlung des zu versteuernden Gewerbeertrags jedoch wieder addiert, zumindest anteilsweise. Dieser Betrag wird anschließend wieder um verschiedene Beträge gekürzt, die bereits bei der Grundsteuer oder einer anderen Steuer fällig wurden.

Wie wird die Höhe der Gewerbesteuer berechnet?

Bei der Ermittlung der Höhe der Gewerbesteuer unterscheidet man zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften. Personengesellschaften, also beispielsweise Einzelunternehmen oder OHGs profitieren von einem Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro. Kapitalgesellschaften dürfen keinen Freibetrag von ihrem Gewerbeertrag abziehen, sondern müssen den vollen Gewerbesteuerbetrag zahlen.

Hat ein Einzelunternehmen also beispielsweise einen Gewerbeertrag von 100.000 Euro, so beträgt der zu versteuernde Gewerbeertrag 75.500 Euro. Im zweiten Schritt werden 3,5 Prozent Gewerbesteuer von diesem Betrag errechnet, was in unserem Rechenbeispiel 2.642,50 Euro ausmacht. Dies ist allerdings noch nicht der zu zahlende Gewerbesteuerbetrag. Stattdessen gibt es einen gemeindeabhängigen Hebesatz, der mindestens 200 Prozent und maximal 900 Prozent beträgt. Das heißt also, dass der errechnete Betrag noch einmal mit einem Faktor multipliziert wird, der mindestens 2 und maximal 9 beträgt.

München hat beispielsweise einen Gewerbesteuerhebesatz von 490 Prozent. Bei unserem Rechenbeispiel muss der Betrag von 2.642,50 Euro also noch mit 4,9 multipliziert werden. Das Unternehmen hat nun eine Gewerbesteuerschuld von 12.948,25 Euro gegenüber dem Finanzamt bzw. der Gemeinde.

Wie berechnet man die Gewerbesteuer

Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer

Die Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer bedeutet, dass die zu zahlende Gewerbesteuer bei der Einkommensteuererklärung nicht als Betriebsausgabe abgezogen werden darf. Diese Bestimmung wurde 2008 im Zuge des Unternehmenssteuerreformgesetzes in die Verfassung aufgenommen und sorgt seither immer wieder für Klagen und Verfassungsbeschwerden.

Die Gewerbesteuer ist eine betriebliche Steuer. Dennoch müssen Gewerbetreibende die Gewerbsteuer als Privatentnahme verbuchen. Das sorgt natürlich für Verwirrung und Unverständnis und regelmäßig auch für Klagen vor dem Bundesfinanzhof (BFH). Der Gesetzgeber rechtfertigt die Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer damit, dass im Gegenzug die persönliche Einkommensteuerschuld verbessert wurde. Und auch der BFH bestätigt regelmäßig, dass die Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer kein Verstoß gegen Eigentumsgarantie oder Gleichbehandlungsgebot darstellt.

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