Kostenrechnung, Leistungsrechnung und Selbstkosten 2018-04-11T16:06:50+00:00

Kostenrechnung, Leistungsrechnung und Selbstkosten einfach erklärt

Die Kostenrechnung und die Leistungsrechnung sind wichtige Teilgebiete des Rechnungswesens, in denen der Betriebsgewinn und -verlust ermittelt wird. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist weniger umfangreich als die Finanzbuchhaltung und hat vor allem eine kurzfristige Informationsfunktion. Im nachfolgenden Artikel erklären wir Ihnen, welche Aufgaben die Kosten- und Leistungsrechnung hat und welche Bereiche und Systeme es innerhalb dieses Teilgebiets gibt. Außerdem definiert der Beitrag die Begriffe Soll-, Ist- und Plandaten und erläutert, was alles zu den Selbstkosten zählt und worin der Unterschied zwischen Einzel- und Gemeinkosten besteht.

Kosten- und Leistungsrechnung – Was ist das genau?

Die Kosten- und Leistungsrechnung (kurz: KLR) ist neben der Finanzbuchhaltung das zweite große Thema im Rechnungswesen. Sie wird alternativ auch als Kosten- und Erlösrechnung oder Betriebsergebnisrechnung bezeichnet und ist vollständig dem internen Rechnungswesen zuzuordnen.

Unterschied zwischen Kosten- und Leistungsrechnung und Finanzbuchhaltung

Die Kosten- und Leistungsrechnung ermittelt den Betriebsgewinn oder -verlust. Dabei konzentriert sie sich auf die Aufwendungen und Erträge, die im Zusammenhang mit dem betrieblichen Leistungsprozess entstehen. Die Kosten- und Leistungsrechnung unterliegt, anders als die Finanzbuchhaltung, nur wenigen gesetzlichen Regelungen.

Die Finanzbuchhaltung ist umfangreicher und umfasst alle Aufwendungen und Erträge des Unternehmens, unabhängig davon, ob sie im Zusammenhang mit dem betrieblichen Leistungsprozess stehen oder nicht.

Aufgabe der KLR

Die KLR hat vor allem eine kurzfristige Informationsfunktion für die Entscheidungsträger im Unternehmen. Die Aussagen über Betriebsgewinne oder -verluste helfen bei der operativen Planung der Kosten und Erlöse. Außerdem unterstützt die KLR bei vielen weiteren Prozessen im Unternehmen:

  • Abgleich von Plan-, Soll- und Ist-Daten
  • Kalkulation von Kosten
  • Bewertung von Kostenträgern
  • Überprüfung der Wirtschaftlichkeit (Abteilungen, Prozesse, etc.)
  • Übersicht über die Warenvorräte
Icon Kalkulation

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist eine schnelle und grobe Übersicht über die finanzielle Situation des Unternehmens. Sie bezieht keine außerbetrieblichen Leistungsprozesse ein, zum Beispiel Erträge aus einem möglichen Aktienhandel. Wesentlich genauer ist hier die Finanzbuchhaltung. Nichtsdestotrotz ist die KLR ein wichtiges Instrument für kurzfristige Entscheidungen.

Bereiche der Kosten- und Leistungsrechnung

Die Kosten- und Leistungsrechnung umfasst drei Teilbereiche:

  • Kostenartenrechnung
  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung
Infografik: Bereiche der Kostenrechnung - Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Kostenträgerrechnung

Die Kostenartenrechnung trifft Aussagen darüber, welche Kosten entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung gibt Auskunft, wo die Kosten entstanden sind und die Kostenträgerrechnung sagt, wofür sie angefallen sind.

Innerhalb der Kostenartenrechnung unterscheidet man zwischen:

  • Gemeinkosten sind Kosten, die den Kostenträgern nicht direkt zugerechnet werden können. Diese werden daher in der Kostenstellenrechnung über Gemeinkostenzuschläge an die Kostenträger verteilt.
  • Einzelkosten sind Kosten, die den Kostenträgern direkt zugerechnet werden können. Diese werden in der Kostenträgerrechnung weiterverarbeitet.

Systeme der Kostenrechnung

Bei der Kostenrechnung unterscheidet man verschiedene Systeme, die je nach Dringlichkeit einer Entscheidung angewendet werden:

  • kurzfristige Entscheidungen: Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung)
  • mittelfristige Entscheidungen: Vollkostenrechnung
  • langfristige Entscheidungen: Investitionsrechnung
Zusammenhang von Teilkostenrechnung, Vollkostenrechnung und Investitionsrechnung

Die Investitionsrechnung gehört nicht zur Kosten- und Leistungsrechnung.

Bei der Teil- und Vollkostenrechnung unterscheidet man wiederum verschiedene Ausprägungen. Teilkostenrechnungssysteme sind zum Beispiel die Deckungsbeitragsrechnung, Direct Costing oder die relative Einzelkostenrechnung nach Paul Riebel.

Für kurzfristige, unternehmerische Entscheidungen eignet sich besonders die Deckungsbeitragsrechnung. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz aus dem Umsatz und den variablen Kosten. Variable Kosten sind Kosten, die sich je nach Bezugsmenge ändern, also beispielsweise Rohstoffe, Hilfs- oder Betriebsstoffe. Aus der Differenz zwischen Umsatz und variablen Kosten ergibt sich ein bestimmter Betrag. Dieser Betrag steht zur Deckung der Fixkosten zur Verfügung.

Für mittelfristige Entscheidungen eignet sich die Vollkostenrechnung besser, die sämtliche Kosten für die Produktion eines Produkts berücksichtigt, also auch Fixkosten wie Personalkosten, Ausgaben für Werbung etc. Die Vollkostenrechnung ist genauer als die Teilkostenrechnung, bedarf aber auch größerer Vorarbeit.

Plandaten, Istdaten, Solldaten – Was ist das und wofür werden diese benötigt?

Plandaten, Istdaten und Solldaten sind Daten, die für die Planung und Entwicklung eines Unternehmens wichtig sind. Dazu zählt zum Beispiel der Leistungsgrad der Beschäftigten oder die Größe der Aufträge. Diese und weitere Daten helfen dem Unternehmer bei der Einschätzung und Planung neuer Aufträge und bei vielen zukunftsorientierten Entscheidungen.

Was sind Plandaten?

Plandaten sind betriebliche Daten, die die Produktivität und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens beeinflussen. Zu den Plandaten gehören:

  • Beschäftigungsgrad
  • Leistungsgrad der Mitarbeiter
  • Art, Anzahl und Größe der Aufträge (Losgröße)
  • Produktionsverfahren
  • Qualität der Produkte
  • Marktpreis

Die Plandaten sind besonders wichtig für die Kostenplanung.

Was sind Istdaten?

Istdaten sind die tatsächlichen Kosten, die innerhalb einer bestimmten Periode aufgetreten sind. Die Istdaten werden im Wesentlichen aus den Bereichen der Buchhaltung entnommen:

  • Kreditorenbuchhaltung
  • Lohnbuchhaltung
  • Materialbuchhaltung
  • Sachbuchhaltung

Die Istdaten der unterschiedlichen Perioden können schnell und einfach miteinander verglichen werden, um saisonale oder allgemeine Entwicklungen abzulesen.

Was sind Solldaten?

Anders als die Istdaten sind die Solldaten nicht die tatsächlichen Kosten bzw. Daten eines Unternehmens, sondern jene, die in einer laufenden oder einer zukünftigen Periode angestrebt werden.

Was sind Selbstkosten?

Selbstkosten sind die Kosten, die bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen entstehen. Die Selbstkosten sind also eine Summe aus Materialkosten, Fertigungskosten, Verwaltungskosten und den Kosten weiterer Kostenträger, die am Herstellungsprozess beteiligt sind. Um die Höhe der Selbstkosten zu berechnen, führt man eine Selbstkostenrechnung durch. Diese bildet die Grundlage für die betriebliche Kalkulation und ist bei der Preisfindung von ganz entscheidender Bedeutung.

Welche Kosten zählen zu den Selbstkosten?

Die Selbstkosten lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Materialkosten
  • Fertigungskosten
  • Verwaltungskosten

Materialkosten unterscheiden sich nochmal in Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten. Materialeinzelkosten sind zum Beispiel Kosten für einen Grundwerkstoff, der dann weiterverarbeitet wird. Materialgemeinkosten dagegen können dem einzelnen Werkstoff nicht genau zugeordnet werden. Hier handelt es sich beispielsweise um Verpackungsmaterial oder Frachtkosten.

Die Fertigungskosten teilt man ebenfalls in Fertigungseinzelkosten und Fertigungsgemeinkosten. Fertigungseinzelkosten sind zum Beispiel die Lohnkosten für ein fertiggestelltes Produkt. Fertigungsallgemeinkosten wie zum Beispiel Energiekosten können, genau wie die Materialgemeinkosten, nicht zum einzelnen Endprodukt zugeordnet werden. Außerdem gehören die Entwicklungs- und Forschungskosten zu den Fertigungskosten. Die Entwicklungskosten umfassen die Investitionen, die nötig sind um ein Produkt zu entwickeln oder zu verbessern.

Die Summe aus Materialkosten und Fertigungskosten ergibt die Herstellkosten. Zu diesen Herstellkosten kommen meist noch Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten hinzu, zum Beispiel für Marketingaktionen, Buchhaltung, Transport und viele weitere Tätigkeiten, die nicht direkt mit der Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung verknüpft sind.

Was ist der Unterschied zwischen Vollkostensatz und Teilkostensatz?

Man unterscheidet zwei verschiedene Arten der Selbstkostenrechnung:

  • Vollkostenrechnung
  • Teilkostenrechnung

Bei der Vollkostenrechnung werden sämtliche Selbstkosten auf den Kostenträger verrechnet. Bei der Teilkostenrechnung dagegen wird nur ein Teil der angefallenen Kosten, nämlich die variablen Kosten bzw. die Einzelkosten, auf den Kostenträger verrechnet. Variable Kosten sind zum Beispiel Materialkosten, die je nach Bezugsmenge variieren. Neben den variablen Kosten gibt es Fixkosten, wie zum Beispiel Mietkosten oder Maschinenkosten.

Wie kalkuliere ich meine Selbstkosten?

Wer nun ein neues Gewerbe eröffnet und einen guten Preis für das eigene Produkt oder die Dienstleistung finden möchte, führt eine Selbstkostenkalkulation durch. Dafür kann folgende Formel verwendet werden:

Selbstkosten pro Stück (Produkt od.DL) = (Selbstkosten (insgesamt)) / (Anzahl der Kostenträger)

Nehmen wir also an, eine kleine Pension mit vier Zimmern hat Selbstkosten von 70.000 Euro im Jahr. Wir möchten berechnen, wie viel eine Nacht in der Pension kosten sollte. Die Berechnung sieht dann folgendermaßen aus:

Selbstkosten pro Stück = (70.000 Euro) / (4 Zimmer x 365 Tage)  = 47,94 Euro

Nun ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die Pension das gesamte Jahr über jederzeit voll ausgelastet ist. Stattdessen fahren die Pensionsinhaber vielleicht selbst einmal in den Urlaub oder es gibt Phasen außerhalb der Saison, in denen nicht so viele Besucher kommen. Nehmen wir an, die Pension ist nur zu 80 Prozent ausgelastet. Dann folgt ein weiterer Schritt zur Kalkulation der Selbstkosten nach Frequenz:

Frequenz = (Selbstkosten pro Stück) / Auslastung = 47,94/0,80  = 59,92 Euro

Die Pensionsinhaber sollten also mindestens 60 Euro pro Nacht verlangen, um Ihre Selbstkosten zu decken. Damit sie selbst noch etwas an ihrem Geschäftsmodell verdienen, werden auf die Selbstkosten noch der Gewinn und ggf. Skonti und Rabatte aufgeschlagen. Aus diesen Positionen ergibt sich der Netto-Verkaufspreis.

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