ABC-Analyse
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Definition

Was ist eine ABC-Analyse?

Eine ABC-Analyse ist ein betriebswirtschaftliches Analyseverfahren. Wenn Unternehmen eine ABC-Analyse durchführen, teilen sie eine bestimmte Menge von Objekten in die Klassen A, B und C auf. Die Buchstaben geben dabei die Priorität an – A hat das stärkste Gewicht, C hat die geringste Gewichtung. Mit der ABC-Analyse können Unternehmen schließlich herausfinden, an welcher Stelle sich der Einsatz von bestimmten Ressourcen lohnt oder welche Kund:innen am stärksten am Umsatz beteiligt sind.

Die Prinzipien der ABC-Analyse

Die ABC-Analyse ist in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) ein weitverbreitetes Mittel zur Planung und Entscheidungsfindung. Es unterteilt die Gegenstände der Analyse in drei Klassen bzw. Wertanteile:

  • A: Hoher Wertanteil
  • B: Mittelmäßiger Wertanteil
  • C: Geringer Wertanteil
Info

Entstehung der ABC-Analyse:

Die 1951 von H. Ford Dickie entwickelte Form der ABC-Analyse basiert auf Vilfredo Paretos „80/20 Theorie“ sowie auf Erkenntnisse von Max Otto Lorenz. Die sogenannte Lorenzkurve spielt in der ABC-Analyse eine große Bedeutung. Dickie hat die Erkenntnisse auf die Anwendungsbereiche der ABC-Analyse erweitert und eine Methode für Unternehmen entwickelt, sich auf die wesentlichen Faktoren für Produkte und Kund:innen zu konzentrieren.

Die ABC-Analyse folgt einer einfachen Formel, um Objekte oder Prozesse in einem Unternehmen oder Betrieb zu gewichten. Durch die Bildung von Wertepaaren können diese in Klassen eingestuft werden, die man der Größe nach sortiert.

Wertepaare der ABC-Analyse sind zum Beispiel:

  • Kund:innen und Umsatz
  • Artikel und Bestand
  • Ressourcen und Kosten
  • Kosten und Nutzen

Damit dient die ABC-Analyse als Rechnung für Ordnungsverfahren von Produkten, Kund:innen oder auch Prozessen.

Info

Variationen der ABC-Analyse:

Die drei Prioritäten A, B und C sind nicht zwingend erforderlich. Die Produkte können auch in weniger oder mehr als drei Gruppen geteilt werden. Unternehmen können die ABC-Analyse vielfältig berechnen und auch mit Erweiterungen arbeiten, wie der XYZ-Analyse.

Diese nimmt zum Beispiel eine Klassifikation von Rohstoffen und Produkten nach der Regelmäßigkeit ihres Verbrauchs oder Verkaufs vor. Diese Maßnahmen bezeichnet man dann als ABC/XYZ-Analyse.

Ziel der ABC-Analyse

Mithilfe der ABC-Analyse trennen Unternehmen wesentliche und unwesentliche Faktoren. So können Betriebe auch:

  • Rationalisierungsschwerpunkte setzen
  • Ressourcen schonen oder sinnvoller einsetzen
  • Den individuellen Erfolg steigern

Die ABC-Kundenanalyse

Die ABC-Analyse kann Betrieben helfen Kund:innen nach deren Bedeutung für den Erfolg zu klassifizieren. Dabei geht man meistens von der sogenannten Pareto-Regel aus. Das Paretoprinzip folgt häufig der 80-20-Regel:

  • Diese besagt bei der Kund:innenbewertung, dass mit 20 Prozent der Kund:innen 80 Prozent des Umsatzes gemacht wird. In diesem Fall handelt es sich also um A-Kund:innen, die für das Unternehmen eine hohe Bedeutung haben.
  • Wenn bei der ABC-Analyse 30 Prozent der Kund:innen 15 Prozent Umsatz bringen, handelt es sich um B-Kund:innen.
  • Die Kategorie C greift für den Fall, dass zum Beispiel 50 Prozent der Kund:innen nur für fünf Prozent Umsatz verantwortlich sind.

Wenn nach der ABC-Analyse die Einteilung der Kund:innen erfolgt ist, sind im Anschluss unterschiedliche Maßnahmen zur weiteren Kundenbindung möglich. Dabei kann das jeweilige Unternehmen eigene Prioritäten setzen:

Kate­­gorie
A-Kund­:innen
B-Kund­:innen
Maß­nah­men
  • Eine per­sönliche Betreuung durch Kunden­be­rater­­:innen
  • Ein­ladung zu Ver­an­stalt­ungen
  • Premium-Kunden­karten
  • Rabatte und Sonder­aktionen
  • Newsletter und Geburts­tags-­Mail
  • Ver­günstigte Angebote für Produkte
  • Kund:in­nen­karten
Kate­­gorie
Maß­nah­men
B-Kund­:innen
  • Eine per­sönliche Betreuung durch Kunden­be­rater­­:innen
  • Ein­ladung zu Ver­an­stalt­ungen
  • Premium-Kunden­karten
  • Rabatte und Sonder­aktionen
A-Kund­:innen
  • Newsletter und Geburts­tags-­Mail
  • Ver­günstigte Angebote für Produkte
  • Kund:in­nen­karten

Die ABC-Analyse hilft also bei der Klassifizierung wichtiger Kund:innen. Hier zeigt sich dann auch, dass C-Kund:innen nur eine schwache Bedeutung zukommt. Je nach Aufwand können jedoch aus C-Kund:innen auch Stammkund:innen werden. Die Betriebe setzen damit Maßnahmen im Bereich Marketing und Kundenmanagement um und steigern somit den Erfolg.

Praktische Durchführung der ABC-Analyse

Die ABC-Analyse kommt in vielen Bereichen des Wirtschaftslebens zum Einsatz. Das Ziel dieser Methode ist, große und komplexe Zahlenwerke überschaubar und für Unternehmen anwendbar zu machen.

Nicht nur im Kundenbereich spielt die Rechnung der ABC-Analyse eine wichtige Rolle, sondern auch bei:

  • Produkten
  • Umsatz
  • Lieferanten

Die ABC-Analyse ist bei der Beschaffung von Material ebenfalls äußerst effizient. Da die Materialwirtschaft ein elementarer Faktor für erfolgreiches Wirtschaften ist, sind die einzelnen Schritte des ABC-Prinzips beispielhaft dargestellt:

  1. Ermittlung des wertmäßigen Jahresbedarfs der Materialwirtschaft (Stückzahl x Durchschnittseinkaufspreis).
  2. Sortierung der Materialien nach absteigendem Jahresbedarfswert.
  3. Berechnung der Wertanteile im Jahresgesamtbedarf über alle Materialpositionen.
  4. Berechnung der relativen Menge der einzelnen Materialpositionen.
  5. Festlegung der Klassifizierungsgrenzen in Prozent für die ABC-Produkte.
  6. Zusammenfassung des Gesamtwerts gemäß absteigender Reihenfolge.
  7. Abschließende Prüfung der Grenzen jeder Klasse gemäß den Festlegungen.

Schließlich dienen der ABC-Analyse Tabellen und Excel-Listen als entscheidendes Instrument. Grundlage dafür sind die Ergebnisse der Daten aus den Unternehmen.

Beispiel einer möglichen Tabelle:

Rang
Kund:in
Bes­tell­un­gen
Wert
Um­satz
Klas­se
1
Müller
80
5.000
400.­000
A
2
Fischer
90
2.500
225.­000
A
3
Brandt
41
1.300
53.300
B
4
Unger
36
930
33.480
B
5
Bart
29
550
15.950
C
6
Knebel
16
250
4.000
C

Anwendungsgebiete der ABC-Analyse

Die ABC-Analyse ist für Betriebe zudem in weiteren Bereichen wichtig. Dank der Klassifizierung können Firmen die Methode variabel einsetzen. Anbei ein paar Beispiele.

Zeitmanagement

Unternehmen verlangen heute Agilität und Effizienz von ihren Mitarbeiter:innen, damit die komplexen Aufgaben einer globalen und digitalen Arbeitswelt zu optimalen Ergebnissen führen. Firmen nutzen dafür die ABC-Analyse, welche das Zeitmanagement optimiert. Dabei ist folgende Methode möglich:

A-Priorität: Persönlich sofort erledigen

Wichtige und dringende Aufgaben mit hohem Gesamtwert als oberste Kategorie einstufen und umgehend selbst erledigen.

B-Priorität: Terminieren und persönlich erledigen

Absehbare und angekündigte Entscheidungen als Termin vorbereiten und selbst erledigen.

C-Priorität: Delegieren

Dringende, aber weniger wichtige Entscheidungen delegieren und auf die A-Prioritäten konzentrieren.

Personalmanagement

Die Ergebnisse der ABC-Analyse sind zunehmend auch im Personalmanagement von Bedeutung. Grundlage der Bewertung für Mitarbeiter:innen sind alle relevanten Daten über:

  • Leistung
  • Motivation
  • Konkrete Ergebnisse

Projektmanagement

Auch im Projektmanagement kann eine ABC-Analyse zum Einsatz kommen. Ziel bei einem solchen Schritt im Controlling ist die Einteilung von Projekten nach der jeweiligen Bedeutung für einen Betrieb. Grundlage ist die Ermittlung von Zeitaufwand und Kosten pro Stunde in Bezug auf ein Projekt. Der kumulierte Anteil am Aufwand macht schließlich die Aufteilung in Gruppe A, B oder C möglich.

Produktmanagement

Auch Produkte werden mittels der ABC-Analyse einer wertebasierten Kategorie zugeteilt. Bewertende Faktoren sind dabei Umsatz und Menge beim Verkauf. Solche Prioritäten sind Grundlagen für die logistischen und verkaufspolitischen Entscheidungen eines jeden Unternehmens.

Vor- und Nachteile der ABC-Analyse

Für die Methode der ABC-Analyse gibt es bestimmte Grenzen, obwohl viele Aspekte für das Prinzip sprechen. Als größter Nachteil gilt die Eindimensionalität, da sie nur eine Kategorie bzw. Kriterium als Entscheidungsgrundlage heranzieht.

Die ABC-Analyse soll den Aufwand reduzieren – dies gilt gleichermaßen für Arbeit, Güter und Objekte. Daher liegen die Prioritäten der ABC-Analyse immer auf den erfolgreichsten Produkten und Ressourcen. So kann es passieren, dass eine bestimmte Gruppe von Waren oder Kund:innen weniger Beachtung finden.

Tipp

Beispiel aus Maschinenfabrik

Eine Maschinenfabrik benötigt über 100 verschiedene Materialien zur Produktion von Bohrmaschinen. Über die Hälfte sämtlicher Produktionskosten entfallen auf nur rund 20 Prozent der Materialarten. Genau diese Gruppe entspricht der A-Klasse und findet besondere Beachtung bei der Materialwirtschaft und dem Controlling. Insofern führt die ABC-Analyse dazu, dass die kleinste Menge der Objekte die größte Bedeutung in der Produktion hat.

Die wichtigsten Vorteile der ABC-Analyse sind hingegen die Optimierung von Planungsprozessen und die mögliche Reduktion der Kosten.

Zusammenfassung

ABC-Analyse zusammengefasst

  • Die ABC-Analyse ist ein betriebswirtschaftliches Analysetool, mit dem Firmen bestimmte Bereiche in einem Unternehmen klassifizieren und priorisieren.
  • Die Methode kommt in vielen verschiedenen Bereichen wie Bestellmanagement, Logistik und Materialwirtschaft sowie Kundenanalyse zum Einsatz.
  • Die ABC-Analyse in der BWL teilt die verschiedenen Unternehmensbereiche bzw. Produkte, Güter und Objekte in die Klassen A, B und C ein:
    • Klasse A: sehr wichtig
    • Klasse B: wichtig
    • Klasse C: weniger wichtig
  • Für die einzelnen Klassen können Unternehmen auf die jeweilige Klasse abgestimmte Methoden und Strategien wählen.
  • Die ABC-Analyse kommt auch im Personalmanagement als Bewertungsmöglichkeit von Mitarbeiter:innen, im Projektmanagement und im Produktmanagement zum Einsatz.
  • Insbesondere beim Zeitmanagement schaffen Unternehmen mittels der ABC-Analyse ein effizientes System bei der Erledigung von Aufgaben und Arbeitsabläufen.
  • Die ABC-Analyse hat Vor- und Nachteile. Bei manchen Bewertungsprozessen kann diese Methode eindimensionale Kriterien darstellen und lässt damit andere Faktoren außer Acht. Gleichzeitig unterstützt sie Firmen dabei, Prozesse zu optimieren und Kosten zu reduzieren.