Die Europäische Zentralbank
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Was ist die Europäische Zentralbank?

Die Europäische Zentralbank (kurz EZB) hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und wurde am 1. Juni 1998 gegründet. Sie übernimmt die Rolle der gemeinsamen Währungsbehörde aller Staaten, die Mitglieder der Europäischen Währungsunion sind. Zusammen mit den jeweiligen nationalen Zentralbanken (NZB) der EU-Länder bildet die Europäische Zentralbank in Frankfurt das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Zwar ist die EZB eines der sieben Organe der Europäischen Union. In ihrem Handeln ist sie dennoch völlig unabhängig.

Seitdem die Europäische Zentralbank 1998 ins Leben gerufen wurde, sind zu den elf Gründungsstaaten der Währungsunion (Deutschland, Finnland, Belgien, Italien, Frankreich, Irland, Portugal, Österreich, Niederlande, Luxemburg, Spanien) acht weitere Länder dazugekommen:

  • 2001: Griechenland
  • 2007: Slowenien
  • 2008: Malta und Zypern
  • 2009: Slowakei
  • 2011: Estland
  • 2014: Lettland
  • 2015: Litauen

Reise in die Vergangenheit: Die Geschichte der Europäischen Zentralbank und ihre Gründung

Der Ursprung der EZB geht genauer betrachtet bis ins Jahr 1988 zurück. In diesem Jahr machte es sich der Europäische Rat zum Ziel, in drei Stufen eine Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu realisieren:

  • In der ersten Stufe wurde am 1. Juli 1990 ein völlig freier Warenverkehr zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ermöglicht. Zollkontrollen und viele bürokratische Hürden fielen von nun an weg.
  • Der 1. Januar 1994 läutete die zweite Stufe der WWU ein. An diesem Tag wurde das Europäische Währungsinstitut (EWI) gegründet – der Vorläufer der EZB. Schon zu dieser Zeit wurden die Weichen für eine gemeinsame Währung innerhalb der EU sowie eine gemeinsame Wirtschaftspolitik gestellt. 1998 wurde schließlich die EZB als zentrale Institution ins Leben gerufen.
  • Die letzte Stufe erfolgte am 1. Januar 1999. An diesem Tag wurde der Euro als elektronisches Zahlungsmittel in elf von damals 15 Mitgliedstaaten eingeführt. Seitdem hat auch die EZB die Zuständigkeit für die Geldpolitik des Eurosystems inne.

Die EZB ist also der Vorstellung eines freien Europas ohne Grenzen entsprungen. Doch was ist die Europäische Zentralbank genau und was macht sie überhaupt? Wir erklären es Ihnen.

Was sind die Aufgaben und Ziele der Europäischen Zentralbank (EZB)?

Als Zentralbank, die aktuell für 19 Staaten innerhalb der Währungsunion zuständig ist, setzt sich die EZB in erster Linie mit der Geldpolitik der europäischen Währung, des Euros, auseinander. Mit dieser Verantwortung gehen zwei wichtige Ziele der EZB einher:

  1. Erhaltung der Preisstabilität: Damit ist gemeint, dass die Europäische Zentralbank drastische Schwankungen des Geldwertes verhindern soll. Als Messgröße dient hier die Inflation.
  2. Sicherstellung einer gleichmäßigen Konjunkturentwicklung: Die Europäische Zentralbank soll die nationalen Volkswirtschaften der Währungsunion vor einer Rezession, also einem Einbruch der Wirtschaftsleistung, schützen. Als Bezugswert orientiert sich die EZB hier an der Auslastung volkswirtschaftlicher Kapazitäten. Um diese zu steigern oder zu senken, ist der EZB Leitzins das wichtigste Instrument.

Die Geldpolitik der EZB umfasst also alle Maßnahmen, welche die EZB tätigt, um ihre geldpolitischen Vorhaben zu erreichen. Neben den beiden genannten Hauptzielen gehen damit auch sekundäre Ziele einher, wie beispielsweise:

  • die Sicherstellung hoher Beschäftigtenzahlen
  • die Gewährleistung eines soliden Wirtschaftswachstums

Dies gelingt der EZB entweder mit einer restriktiven oder einer expansiven Geldpolitik. Restriktive Maßnahmen dienen dazu, die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet, zu reduzieren, um z. B. die Gefahr einer Inflation zu senken. Verfolgt die EZB dagegen eine expansive Geldpolitik, wird die Geldmenge erhöht, um die Wirtschaft durch niedrige Zinsen anzukurbeln.

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Was ist der Leitzins der EZB?

Egal, ob restriktive oder expansive Geldpolitik – ein geldpolitisches Instrument der EZB steht ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit: der Leitzins. Die Festlegung seiner Höhe erfolgt durch die EZB. Er gibt an, welcher Zinssatz für Sparkassen und Banken anfällt, wenn diese sich Geld von der Europäischen Zentralbank leihen. Schließlich geben Privatbanken diese Zinssätze an ihre Kunden weiter. Der EZB-Leitzins liegt aktuell bei 0 Prozent. Für Banken beträgt er sogar -0,5 Prozent. Geldanlagen wie Festgeld- oder Tagesgeldkonten werfen daher momentan nur wenig Gewinn ab. Dagegen gibt es für Bau- oder Ratenkredite günstige Konditionen.

Aufgrund dieser Aufgaben kommt der Europäischen Zentralbank eine Art Wächter-Funktion des Geldwertes innerhalb der Währungsunion zu. Zudem kann sie durch die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente mehr oder minder direkt Einfluss auf wirtschaftliche sowie konjunkturelle Entwicklungen nehmen. Aber das ist noch nicht alles. Zusätzlich ist die EZB auch mit folgenden Aufgaben betraut:

  • Sicherstellung eines ungehinderten Zahlungsverkehrs
  • Geldversorgung der einzelnen Volkswirtschaften
  • Abwicklung und Vollzug von Devisengeschäften
  • Verwaltung von Währungsreserven der Mitgliedstaaten
  • Bewilligung von Ausgaben des Euro-Papiergelds
  • Bereitstellung der Zentralbankbilanz
  • Beratende Tätigkeit in Zusammenarbeit mit nationalen Behörden, Kooperation mit nationalen oder internationalen Organisationen
  • Aufsichtsübernahme mit Blick auf Kreditinstitute
  • Sammlung statistisch notwendiger Daten zur Aufgabenbewältigung

Was sind die Organe der EZB?

Die Exekutive, also die ausführenden Organe der Europäischen Zentralbank, sind alle Nationalbanken der Mitgliedstaaten der Währungsunion. Diese unterstehen wiederum den Regeln der ESZB, denen die EZB übergeordnet ist. Die EZB selbst verfügt über zwei sogenannte Beschlussorgane:

  1. den Rat
  2. den Erweiterten Rat

Als ausführende Instanz agiert das Direktorium. Zum besseren Verständnis folgt hier eine kurze Übersicht über die strukturelle Zusammensetzung der Europäischen Zentralbank:

  • EZB-Präsident:in: Er oder sie steht an der Spitze der Institution und ist somit gleichzeitig Vorsitzende:r des Direktoriums. Der bzw. die Präsident:in vertritt die Europäische Zentralbank nach außen und wird vom Europäischen Rat für jeweils acht Jahre gewählt. Eine Wiederwahl ist nicht möglich. Aktuelle EZB-Chefin ist seit 2019 die Französin Christine Lagarde.
  • Direktorium der Europäischen Zentralbank: Dieses Organ übernimmt einfach gesagt die Geschäftsführung der EZB und stellt sicher, dass die Beschlüsse der Zentralbank auch von den jeweiligen Nationalbanken umgesetzt werden. Dieses Gremium besteht aus dem bzw. der Präsident:in, einem bzw. einer Vizepräsident:in und vier weiteren Mitgliedern.
  • EZB-Rat: Dieses Gremium setzt sich aus allen Mitgliedern des Direktoriums und zusätzlich allen Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Währungsunion zusammen. Der Rat ist das „oberste Beschlussorgan“ der Europäischen Zentralbank und legt in dieser Rolle u. a. den Wert der Leitzinssätze fest oder gibt die Grundsätze der Geldpolitik vor. Was im EZB-Rat diskutiert wird, ist grundsätzlich vertraulich, kann aber auf Wunsch des Rates auch veröffentlicht werden.
  • Der Erweiterte Rat der EZB: Hier sind wieder Präsident:in und Vizepräsident:in der EZB involviert sowie die Präsident:innen aller nationalen Zentralbanken der EU-Mitglieder. Der Erweiterte Rat sammelt und wertet in erster Linie statistische Daten aus. Er übernimmt aber auch eine wichtige Beratungsfunktion – vor allem dann, wenn es um die Aufnahme weiterer Länder in die Währungsunion geht. Dabei existiert der Erweiterte Rat jedoch nur so lange, wie es noch EU-Mitgliedstaaten gibt, die den Euro noch nicht als ihre Währung eingeführt haben.

Welche Instrumente stehen der Europäischen Zentralbank zur Erfüllung ihrer Aufgaben zur Verfügung?

Von größter Bedeutung sind die geldpolitischen Instrumente der EZB, da diese in erster Linie dem Ziel der Preisniveaustabilität dienen:

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Der direkte Einfluss der EZB

Dieser beschränkt sich bei der Europäischen Zentralbank vornehmlich auf Zinsen, die in Geschäften zwischen ihr und den normalen Geschäftsbanken anfallen – die sogenannten Notenbankzinsen. Ändern sich die Notenbankzinsen, indem sie gesenkt oder angehoben werden, ändern sich gleichzeitig die Finanzierungskonditionen (beispielsweise für Kredite) für Kunden von Geschäftsbanken. Dies hat in der Regel eine Art Domino-Effekt zur Folge. Denn die Änderung der Notenbankzinsen hat auch Auswirkungen auf Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt.

  • Offenmarktgeschäfte: Das wichtigste Instrument zur Aufgabenerfüllung sind im Falle der EZB zweifellos die Offenmarktgeschäfte. Hier wird ähnlich wie bei einer Auktion das Zentralbankgeld der EZB gegen Zinszahlungen an Geschäftsbanken der Währungsunion vergeben. Den Zuschlag erhält der Höchstbietende. Als Auktionsbasis dient der Mindestbietungszinssatz, der auch als Leitzins der EZB bekannt ist.
  • Mindestreserve: In diesem Fall schreibt die EZB Geschäftsbanken vor, Mindestreserven auf den Girokonten der nationalen Zentralbanken anzuhäufen. Diese belaufen sich aktuell auf rund ein Prozent der Schuldverschreibungen sowie Einlagen der Banken.
  • Ständige Fazilitäten: Sie bestehen aus der Einlagefazilität und der Spitzenrefinanzierungsfazilität. Einfach ausgedrückt geht es hier um Kredite, welche die EZB den Geschäftsbanken zur Refinanzierung gewährt. Da ständige Fazilitäten unbegrenzt zur Verfügung stehen, besitzen sie jedoch einen recht unattraktiven Zinssatz, welcher sich außerdem auf die von Banken erhobenen Zinssätze für Kundenkredite sowie Sparkonten auswirkt.
  • Wertpapier-Ankauf: Seit 2009 kauft die EZB Wertpapiere wie z. B. Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen. Das geschieht vornehmlich auf dem Primär- und dem Sekundärmarkt.
  • Devisenmarktintervention: Hin und wieder agiert die EZB am Devisenmarkt mit dem Ziel, den Kurs ihrer Geldpolitik zu stabilisieren und die Absatzpolitik voranzutreiben. Dies geschieht meist aber nur dann, wenn es zu Fehlbewertungen von Wechselkursen gekommen ist, was wiederum die Inflation erhöht oder die Wirtschaftsstabilität in der Euro-Zone in Gefahr bringt.
  • Vorbehaltlose geldpolitische Geschäfte: Auch bekannt als Outright Monetary Transactions (OMT). Dahinter verbirgt sich ein Instrument der EZB, mit dem es innerhalb des Eurosystems möglich ist, in unbegrenzter Menge kurzfristige Anleihenkäufe von Staaten im Euroraum zu tätigen. Zwar hat bisher noch kein Mitgliedstaat OMT in Anspruch genommen. Dennoch ist dieses Vorgehen politisch umstritten.

Die EZB und ihr Verhältnis zur Politik

Mit der Verpflichtung gegenüber ihrem Hauptziel, die Preisniveaustabilität im Euroraum zu gewährleisten, hat die EZB völlige Unabhängigkeit von politischen oder externen Einflüssen aller Art erhalten. So wird sichergestellt, dass die Institution nicht als Geißel politischer Interessen missbraucht wird. Ihre Unabhängigkeit legitimiert die Europäische Zentralbank auf insgesamt vier Ebenen:

  1. Operative Unabhängigkeit: Bedeutet, dass die EZB frei in ihrer Entscheidung darüber ist, mit welcher Methode sie ihre Aufträge durchführen will. Das Ziel der Preisstabilität der europäischen Geldpolitik ist ihr dabei aber jederzeit vorgeschrieben.
  2. Institutionelle Unabhängigkeit: Weder die EZB noch die ihr angeschlossenen nationalen Zentralbanken dürfen politisch beeinflusst werden. So ist es der EZB u. a. untersagt, Staatshaushalte der Mitgliedstaaten mitzufinanzieren.
  3. Personelle Unabhängigkeit: Um die Machtkonzentration auf eine Person zu verhindern, ist für den bzw. die Präsident:in nur eine Amtszeit vorgesehen. Auch Nebentätigkeiten sind in der Regel ausgeschlossen, um Interessenskonflikten entgegenzuwirken.
  4. Finanzielle Unabhängigkeit: Diese wird durch den eigenen Haushalt der Europäischen Zentralbank unterstützt. Zudem hat die Politik keinerlei Entscheidungsgewalt darüber, wie die EZB die finanziellen Mittel, die sie von den Mitgliedstaaten der Währungsunion erhält, einsetzt.

Auf diese Weise ist die EZB unterm Strich in keinerlei Weise an die Weisungen externer Organe gebunden.

Was bringt die Zukunft für die Europäische Zentralbank?

Ein wichtiger Schwerpunkt, mit dem sich die EZB in den nächsten Jahren auseinandersetzen wird, ist die Einführung des digitalen Euros. Damit möchte auch Europa im Bereich des elektronischen Geldes Fuß fassen. Der digitale Euro setzt am Prinzip der Geldschöpfung an. Schließlich kommt neues Geld nur durch die Vergabe von Krediten ins Spiel. Dieses zusätzliche Guthaben kann man sich wie gewohnt in Scheinen oder Münzen auszahlen lassen. Im Fall des digitalen Euros soll elektronisches Geld zusätzlich bequem aufs Handy geladen werden. Diese Idee ist zwar nicht neu. Schließlich gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter, die eine Zahlungsfunktion per App ermöglichen. Womöglich möchte die EZB mit dieser Idee ihren Einfluss auf das europäische Geldsystem nicht ganz verlieren. Wann der digitale Euro kommen soll, ist jedoch noch offen. Experten halten eine Einführung im Jahr 2025 für realistisch.

Zusammenfassung

Europäische Zentralbank zusammengefasst

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde aller Staaten, die Mitglieder der Europäischen Währungsunion sind.
  • Hauptziele sind die Erhaltung der Preisstabilität und die Sicherstellung einer gleichmäßigen Konjunkturentwicklung.
  • Aus den Zielen ergeben sich verschiedene Aufgaben, wie z. B. die Sicherstellung eines ungehinderten Zahlungsverkehrs, die Geldversorgung der Mitgliedstaaten und die Abwicklung von Devisengeschäften.
  • Die EZB verfügt über zwei Beschlussorgane: den Rat und den Erweiterten Rat. Ausführende Instanz ist das Direktorium.
  • Der EZB stehen verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung, die von großer Bedeutung sind, z. B. die Offenmarktgeschäfte.
  • Die Europäische Zentralbank kann völlig unabhängig von politischen und externen Einflüssen bzw. Organen agieren.