Kostenrechnung, Leistungsrechnung und Selbstkosten einfach erklÀrt
4.1 (82.16%) 37 Bewertungen

Die Kostenrechnung und die Leistungsrechnung sind wichtige Teilgebiete des Rechnungswesens, in denen der Betriebsgewinn und -verlust ermittelt wird. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist weniger umfangreich als die Finanzbuchhaltung und hat vor allem eine kurzfristige Informationsfunktion. Im nachfolgenden Artikel erklĂ€ren wir Ihnen, welche Aufgaben die Kosten- und Leistungsrechnung hat und welche Bereiche und Systeme es innerhalb dieses Teilgebiets gibt. Außerdem definiert der Beitrag die Begriffe Soll-, Ist- und Plandaten und erlĂ€utert, was alles zu den Selbstkosten zĂ€hlt und worin der Unterschied zwischen Einzel- und Gemeinkosten besteht.

Kosten- und Leistungsrechnung – Was ist das genau?

Die Kosten- und Leistungsrechnung (kurz: KLR) ist neben der Finanzbuchhaltung das zweite große Thema im Rechnungswesen. Sie wird alternativ auch als Kosten- und Erlösrechnung oder Betriebsergebnisrechnung bezeichnet und ist vollstĂ€ndig dem internen Rechnungswesen zuzuordnen.

Unterschied zwischen Kosten- und Leistungsrechnung und Finanzbuchhaltung

Die Kosten- und Leistungsrechnung ermittelt den Betriebsgewinn oder -verlust. Dabei konzentriert sie sich auf die Aufwendungen und ErtrÀge, die im Zusammenhang mit dem betrieblichen Leistungsprozess entstehen. Die Kosten- und Leistungsrechnung unterliegt, anders als die Finanzbuchhaltung, nur wenigen gesetzlichen Regelungen.

Die Finanzbuchhaltung ist umfangreicher und umfasst alle Aufwendungen und ErtrÀge des Unternehmens, unabhÀngig davon, ob sie im Zusammenhang mit dem betrieblichen Leistungsprozess stehen oder nicht.

Aufgabe der KLR

Die KLR hat vor allem eine kurzfristige Informationsfunktion fĂŒr die EntscheidungstrĂ€ger im Unternehmen. Die Aussagen ĂŒber Betriebsgewinne oder -verluste helfen bei der operativen Planung der Kosten und Erlöse. Außerdem unterstĂŒtzt die KLR bei vielen weiteren Prozessen im Unternehmen:

  • Abgleich von Plan-, Soll- und Ist-Daten
  • Kalkulation von Kosten
  • Bewertung von KostentrĂ€gern
  • ÜberprĂŒfung der Wirtschaftlichkeit (Abteilungen, Prozesse, etc.)
  • Übersicht ĂŒber die WarenvorrĂ€te
Icon Kalkulation

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist eine schnelle und grobe Übersicht ĂŒber die finanzielle Situation des Unternehmens. Sie bezieht keine außerbetrieblichen Leistungsprozesse ein, zum Beispiel ErtrĂ€ge aus einem möglichen Aktienhandel. Wesentlich genauer ist hier die Finanzbuchhaltung. Nichtsdestotrotz ist die KLR ein wichtiges Instrument fĂŒr kurzfristige Entscheidungen.

Bereiche der Kosten- und Leistungsrechnung

Die Kosten- und Leistungsrechnung umfasst drei Teilbereiche:

  • Kostenartenrechnung
  • Kostenstellenrechnung
  • KostentrĂ€gerrechnung
Infografik: Bereiche der Kostenrechnung - Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, KostentrÀgerrechnung

Die Kostenartenrechnung trifft Aussagen darĂŒber, welche Kosten entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung gibt Auskunft, wo die Kosten entstanden sind und die KostentrĂ€gerrechnung sagt, wofĂŒr sie angefallen sind.

Innerhalb der Kostenartenrechnung unterscheidet man zwischen:

  • Gemeinkosten sind Kosten, die den KostentrĂ€gern nicht direkt zugerechnet werden können. Diese werden daher in der Kostenstellenrechnung ĂŒber GemeinkostenzuschlĂ€ge an die KostentrĂ€ger verteilt.
  • Einzelkosten sind Kosten, die den KostentrĂ€gern direkt zugerechnet werden können. Diese werden in der KostentrĂ€gerrechnung weiterverarbeitet.

Systeme der Kostenrechnung

Bei der Kostenrechnung unterscheidet man verschiedene Systeme, die je nach Dringlichkeit einer Entscheidung angewendet werden:

  • kurzfristige Entscheidungen: Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung)
  • mittelfristige Entscheidungen: Vollkostenrechnung
  • langfristige Entscheidungen: Investitionsrechnung
Zusammenhang von Teilkostenrechnung, Vollkostenrechnung und Investitionsrechnung

Die Investitionsrechnung gehört nicht zur Kosten- und Leistungsrechnung.

Bei der Teil- und Vollkostenrechnung unterscheidet man wiederum verschiedene AusprÀgungen. Teilkostenrechnungssysteme sind zum Beispiel die Deckungsbeitragsrechnung, Direct Costing oder die relative Einzelkostenrechnung nach Paul Riebel.

FĂŒr kurzfristige, unternehmerische Entscheidungen eignet sich besonders die Deckungsbeitragsrechnung. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz aus dem Umsatz und den variablen Kosten. Variable Kosten sind Kosten, die sich je nach Bezugsmenge Ă€ndern, also beispielsweise Rohstoffe, Hilfs- oder Betriebsstoffe. Aus der Differenz zwischen Umsatz und variablen Kosten ergibt sich ein bestimmter Betrag. Dieser Betrag steht zur Deckung der Fixkosten zur VerfĂŒgung.

FĂŒr mittelfristige Entscheidungen eignet sich die Vollkostenrechnung besser, die sĂ€mtliche Kosten fĂŒr die Produktion eines Produkts berĂŒcksichtigt, also auch Fixkosten wie Personalkosten, Ausgaben fĂŒr Werbung etc. Die Vollkostenrechnung ist genauer als die Teilkostenrechnung, bedarf aber auch grĂ¶ĂŸerer Vorarbeit.

Werbekampagne Lexware: It's now or never

Plandaten, Istdaten, Solldaten – Was ist das und wofĂŒr werden diese benötigt?

Plandaten, Istdaten und Solldaten sind Daten, die fĂŒr die Planung und Entwicklung eines Unternehmens wichtig sind. Dazu zĂ€hlt zum Beispiel der Leistungsgrad der BeschĂ€ftigten oder die GrĂ¶ĂŸe der AuftrĂ€ge. Diese und weitere Daten helfen dem Unternehmer bei der EinschĂ€tzung und Planung neuer AuftrĂ€ge und bei vielen zukunftsorientierten Entscheidungen.

Was sind Plandaten?

Plandaten sind betriebliche Daten, die die ProduktivitÀt und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens beeinflussen. Zu den Plandaten gehören:

  • BeschĂ€ftigungsgrad
  • Leistungsgrad der Mitarbeiter
  • Art, Anzahl und GrĂ¶ĂŸe der AuftrĂ€ge (LosgrĂ¶ĂŸe)
  • Produktionsverfahren
  • QualitĂ€t der Produkte
  • Marktpreis

Die Plandaten sind besonders wichtig fĂŒr die Kostenplanung.

Was sind Istdaten?

Istdaten sind die tatsÀchlichen Kosten, die innerhalb einer bestimmten Periode aufgetreten sind. Die Istdaten werden im Wesentlichen aus den Bereichen der Buchhaltung entnommen:

  • Kreditorenbuchhaltung
  • Lohnbuchhaltung
  • Materialbuchhaltung
  • Sachbuchhaltung

Die Istdaten der unterschiedlichen Perioden können schnell und einfach miteinander verglichen werden, um saisonale oder allgemeine Entwicklungen abzulesen.

Was sind Solldaten?

Anders als die Istdaten sind die Solldaten nicht die tatsĂ€chlichen Kosten bzw. Daten eines Unternehmens, sondern jene, die in einer laufenden oder einer zukĂŒnftigen Periode angestrebt werden.

Was sind Selbstkosten?

Selbstkosten sind die Kosten, die bei der Produktion von GĂŒtern und Dienstleistungen entstehen. Die Selbstkosten sind also eine Summe aus Materialkosten, Fertigungskosten, Verwaltungskosten und den Kosten weiterer KostentrĂ€ger, die am Herstellungsprozess beteiligt sind. Um die Höhe der Selbstkosten zu berechnen, fĂŒhrt man eine Selbstkostenrechnung durch. Diese bildet die Grundlage fĂŒr die betriebliche Kalkulation und ist bei der Preisfindung von ganz entscheidender Bedeutung.

Welche Kosten zÀhlen zu den Selbstkosten?

Die Selbstkosten lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Materialkosten
  • Fertigungskosten
  • Verwaltungskosten

Materialkosten unterscheiden sich nochmal in Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten. Materialeinzelkosten sind zum Beispiel Kosten fĂŒr einen Grundwerkstoff, der dann weiterverarbeitet wird. Materialgemeinkosten dagegen können dem einzelnen Werkstoff nicht genau zugeordnet werden. Hier handelt es sich beispielsweise um Verpackungsmaterial oder Frachtkosten.

Die Fertigungskosten teilt man ebenfalls in Fertigungseinzelkosten und Fertigungsgemeinkosten. Fertigungseinzelkosten sind zum Beispiel die Lohnkosten fĂŒr ein fertiggestelltes Produkt. Fertigungsallgemeinkosten wie zum Beispiel Energiekosten können, genau wie die Materialgemeinkosten, nicht zum einzelnen Endprodukt zugeordnet werden. Außerdem gehören die Entwicklungs- und Forschungskosten zu den Fertigungskosten. Die Entwicklungskosten umfassen die Investitionen, die nötig sind um ein Produkt zu entwickeln oder zu verbessern.

Die Summe aus Materialkosten und Fertigungskosten ergibt die Herstellkosten. Zu diesen Herstellkosten kommen meist noch Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten hinzu, zum Beispiel fĂŒr Marketingaktionen, Buchhaltung, Transport und viele weitere TĂ€tigkeiten, die nicht direkt mit der Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung verknĂŒpft sind.

Was ist der Unterschied zwischen Vollkostensatz und Teilkostensatz?

Man unterscheidet zwei verschiedene Arten der Selbstkostenrechnung:

  • Vollkostenrechnung
  • Teilkostenrechnung

Bei der Vollkostenrechnung werden sÀmtliche Selbstkosten auf den KostentrÀger verrechnet. Bei der Teilkostenrechnung dagegen wird nur ein Teil der angefallenen Kosten, nÀmlich die variablen Kosten bzw. die Einzelkosten, auf den KostentrÀger verrechnet. Variable Kosten sind zum Beispiel Materialkosten, die je nach Bezugsmenge variieren. Neben den variablen Kosten gibt es Fixkosten, wie zum Beispiel Mietkosten oder Maschinenkosten.

Wie kalkuliere ich meine Selbstkosten?

Wer nun ein neues Gewerbe eröffnet und einen guten Preis fĂŒr das eigene Produkt oder die Dienstleistung finden möchte, fĂŒhrt eine Selbstkostenkalkulation durch. DafĂŒr kann folgende Formel verwendet werden:

Selbstkosten pro StĂŒck (Produkt od.DL) = (Selbstkosten (insgesamt)) / (Anzahl der KostentrĂ€ger)

Nehmen wir also an, eine kleine Pension mit vier Zimmern hat Selbstkosten von 70.000 Euro im Jahr. Wir möchten berechnen, wie viel eine Nacht in der Pension kosten sollte. Die Berechnung sieht dann folgendermaßen aus:

Selbstkosten pro StĂŒck = (70.000 Euro) / (4 Zimmer x 365 Tage) = 47,94 Euro

Nun ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die Pension das gesamte Jahr ĂŒber jederzeit voll ausgelastet ist. Stattdessen fahren die Pensionsinhaber vielleicht selbst einmal in den Urlaub oder es gibt Phasen außerhalb der Saison, in denen nicht so viele Besucher kommen. Nehmen wir an, die Pension ist nur zu 80 Prozent ausgelastet. Dann folgt ein weiterer Schritt zur Kalkulation der Selbstkosten nach Frequenz:

Frequenz = (Selbstkosten pro StĂŒck) / Auslastung = 47,94/0,80 = 59,92 Euro

Die Pensionsinhaber sollten also mindestens 60 Euro pro Nacht verlangen, um Ihre Selbstkosten zu decken. Damit sie selbst noch etwas an ihrem GeschÀftsmodell verdienen, werden auf die Selbstkosten noch der Gewinn und ggf. Skonti und Rabatte aufgeschlagen. Aus diesen Positionen ergibt sich der Netto-Verkaufspreis.

Icons made by Freepik from www.flaticon.com