Disagio
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Definition

Was ist Disagio?

Im Finanzwesen beschreibt die Definition von Disagio den Abschlag vom Nennwert eines vereinbarten Betrags. Es wird insbesondere bei Kreditaufnahmen, Kreditkartenzahlungen für Händler oder beim Sortenhandel fällig. Weitere Begriffe für das Disagio sind Damnum oder auch Abgeld. Disagio kommt aus dem Italienischen und bedeutet auf Deutsch so viel wie „Unbehagen“ oder „Unbequemlichkeit“.

Was ist der Unterschied zwischen Agio und Disagio?

Die Bedeutung von Disagio bezieht sich auf den Abschlag vom Nennwert eines Kreditbetrags oder Wertpapiers, während es sich beim Agio um das Gegenteil handelt. Der Begriff Agio stammt ebenfalls aus der italienischen Sprache und bedeutet übersetzt „Bequemlichkeit“. Agio bezeichnet einen Aufschlag, der bei bestimmten Kaufverträgen zum Kaufpreis oder Kurswert hinzukommt. Es wird meist in Prozenten angegeben und wird häufig beim Immobilienkauf oder bei der Emission von Anleihen oder Wertpapieren aufgeschlagen.

In welchen Bereichen wird das Disagio angewendet?

Das Disagio als Abschlag auf einen bestimmten Auszahlungsbetrag wird ebenfalls in Prozenten angegeben. Im Folgenden eine Übersicht an Bereichen, in denen Verbraucher:innen dem Disagio begegnen können:

  • Kredite und Darlehen: Banken und andere Kreditinstitute bieten in einigen Fällen, wie etwa beim Immobilienkauf, ein Disagio bei Krediten oder Darlehen an. Bei einem Disagio in Höhe von beispielsweise 3 % werden dem Darlehensnehmer oder der Darlehensnehmerin lediglich 97 % des vereinbarten Darlehensbetrags ausgezahlt. Diese einbehaltenen 3 % dienen als Vorauszahlung der fälligen Zinsen. Dabei gilt: Die Verzinsung sinkt mit steigendem Disagio. In jedem Fall muss der Kreditnehmer oder die Kreditnehmerin aber die benötigte Kreditsumme zuzüglich des vereinbarten Disagios an die Bank zurückzahlen. Daher stellt sich berechtigterweise die Frage: Warum ein Disagio in Anspruch nehmen?
  • Beim Kauf einer Immobilie für die private Nutzung lohnt sich ein Disagio meist nur, wenn die Zinsen bedeutend niedriger als bei einem Darlehen ohne Disagio ausfallen. Das Disagio hat Vorteile bei gewerblicher Nutzung: Käufer:innen sind in der Regel dazu berechtigt, das Disagio als Werbungskosten steuerlich geltend zu machen.
  • Sortenankauf: Er bezeichnet den Umtausch von ausländischem Bargeld. Hierbei kommt das Disagio sowie das Agio zum Tragen: Kaufen Banken Fremdwährungen unter dem offiziellen Wechselkurs ein, ist die Rede von einem Disagio. Einem Verbraucher verkaufen sie dieses ausländische Bargeld schließlich meist 2 bis 4 Prozent oberhalb des Wechselkurses. Das ist ein Agio, da es sich um ein Aufgeld zum eigentlichen Kurswert handelt.
  • Kreditkartenzahlungen: Ein weiteres Beispiel für Disagio findet sich bei Online-Händler:innen wieder. Zahlen Kund:innen in ihrem Online-Shop mit einer Kreditkarte müssen die Händler:innen gewöhnlich eine Servicegebühr für die Abwicklung dieser Zahlungen abgeben. Diese bewegt sich meist zwischen 2 und 3 Prozent vom Umsatz.
  • Anleihen und andere Wertpapiere: Gibt es ein Disagio bei Anleihen und anderen Wertpapieren, zahlt der Käufer einen niedrigeren Preis bei gleichbleibendem Nennwert. Nicht zu vergessen ist hierbei allerdings, dass trotz Disagio die Verzinsung auf dem vollen Nennwert erfolgt. Schließlich ist ein Disagio bei der Emission von Aktien gemäß dem Aktiengesetz (AktG) nicht erlaubt.
Info

Das Disagio berechnen

Eine spezielle Formel ist für die Berechnung des Disagios nicht notwendig, da die Prozentrechnung genügt. Es müssen lediglich der Nennwert des vereinbarten (Kredit-)Betrags sowie das Disagio bekannt sein. Ein Beispiel:

Kreditsumme: 100.000 Euro

Disagio: 4 % von 100.000 Euro = 4.000 Euro

Ausgezahlter Betrag: 96.000 Euro

Welche Auswirkungen hat ein Disagio?

Ob ein Disagio oder Damnum Vor- oder Nachteile für den Verbraucher oder die Verbraucherin mit sich bringt, hängt vom jeweiligen Geschäft ab. Bei der Vereinbarung eines Kredits scheint ein Disagio auf den ersten Blick lukrativ zu sein, birgt meist aber höhere Gesamtkosten. Daher sollten Kreditnehmer:innen immer auf den Effektivzins achten, dessen Angabe bei Kredit- und Darlehensverträgen gesetzlich verpflichtend ist. Bei Anleihen und Wertpapieren hingegen ist das Disagio in der Regel positiv behaftet: Dadurch vermindert sich der Kaufpreis, während der angegebene Nennwert unberührt bleibt.

Schließlich steht das Disagio, das bei Kreditkartenzahlungen für Online-Händler:inne anfällt, theoretisch in keiner Verbindung zum Endverbraucher. In der Praxis legen Händler:innen aber diese Servicegebühr oft durch Preiserhöhungen auf ihre Kund:innen um.

Wie wird das Disagio im Steuerrecht behandelt?

Steuerrechtlich wird das Disagio gemäß § 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten behandelt und zählt zu den Geldbeschaffungskosten. Voraussetzung, um das Disagio innerhalb einer Rechnungsabgrenzung zu buchen, ist, dass die Darlehensausgabe nach dem Bilanzstichtag fällt. Das hat zur Folge, dass Anteile planmäßig über die Laufzeit des Darlehens abgeschrieben werden. Für die Buchung des Disagios in der Bilanz gibt es eine Passage im Handelsrecht, und zwar § 250 Abs. 3 HGB. Laut HGB gilt beim Disagio im Handelsrecht für bilanzierende Unternehmen ein Aktivierungswahlrecht. Sie können dabei entscheiden, ob sie das Disagio des Darlehens zu Beginn auf der Aufwandsseite in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigen oder wie beschrieben als aktiven Rechnungsabgrenzungsposten behandeln.

Immobilienkäufer:innen dürfen das Disagio als Werbungskosten in voller Höhe absetzen, sofern die Immobilie vermietet wird und das Disagio laut § 11 Abs. 2 Satz 4 EStG marktüblich ist. Viele Jahre galt ein Disagio von 5 % als marktüblich. Nun entschied aber der Bundesgerichtshof, dass Höhe und Laufzeit des Kredits sowie aktuelle Marktverhältnisse für die Verhältnismäßigkeit entscheidend sind.

Info

Das Disagio im IFRS 9

Die Rechnungslegungsvorschrift „International Financial Reporting Standard 9 – Finanzinstrumente“ des IASB (International Accounting Standards Board) beschäftigt sich in seiner zweiten Phase mit der Wertminderung von Finanzinstrumenten. Darin wurde festgelegt, dass ein finanzieller Vermögenswert objektive Hinweise auf Wertminderung aufweist, wenn ein oder mehrere der aufgelisteten Punkte zutreffen. Einer dieser Punkte ist der Kauf oder Verkauf eines finanziellen Vermögenswerts mit hohem Disagio, das „die angefallenen Kreditausfälle widerspiegelt“.

Zusammenfassung

Disagio zusammengefasst

  • Beim Disagio handelt es sich um einen Abschlag vom Nennwert eines vereinbarten Betrags.
  • Das Disagio wird im Finanzwesen auch als Abgeld oder Damnum bezeichnet.
  • Es spielt vor allem bei der Kreditaufnahme, der Emission von Anleihen und anderen Wertpapieren, beim Sortenankauf sowie bei Kreditkartenzahlungen für Händler eine Rolle.
  • Das Gegenstück zum Disagio ist das Agio. Es handelt sich dabei  um einen Aufschlag zum Nennwert eines Kaufpreises.
  • Das Disagio wird in Prozenten angegeben: Um es für einen Kreditvertrag zu berechnen, muss lediglich das Disagio auf Basis der Kreditsumme mithilfe der Prozentrechnung ermittelt werden.
  • Prinzipiell zieht ein Disagio bei Kreditverträgen höhere Gesamtkosten für Verbraucher nach sich, während es bei Anleihen und Wertpapieren zur Kostenreduzierung führt.
  • Das Disagio darf beim Immobilienkauf nur dann als Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn es marktüblich ist und die Immobilie vermietet wird.