Volatilität
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Definition

Was ist Volatilität und welche Arten gibt es?

Volatilität steht grundsätzlich für einen Schwankungsbereich um einen Mittelwert. Alle Börsenkurse unterliegen teils starken Ausschlägen, da sich die Verhältnisse von Angebot und Nachfrage von Aktien ständig ändern. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Kursschwankungen. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff volatilis steht für ‚fliegend‘, ‚flüchtig’ und allgemein in der Statistik für Veränderungen. Als Synonyme können die Begriffe „beweglich, unbeständig“ verwendet werden.

Die teilweise als Zickzack-Kurs bezeichnete Unvorhersehbarkeit bei der Entwicklung von Wertpapieren bedeutet für Anleger:innen ein Risiko. Dennoch ist es mathematisch möglich, die Entwicklungen einer Geldanlage zu bemessen und für Anleger:innen potentielle Risiken vorherzusagen. Es gibt allerdings Fonds mit höherer oder niedrigerer Volatilität und Neulingen an der Börse ist zu raten, am Anfang das Risiko klein zu halten.

Grundsätzlich gilt: Je erfahrener, desto risikoaffiner dürfen Sie sein. Mit Blick auf die Börse zeigt sich die wichtige Rolle der Volatilität als Risikomaß. Dieses gibt an, wie stark und unabhängig von Trends Marktpreise um einen Mittelwert streuen oder streuen werden.

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Ein Rechenbeispiel

Der Wert eines Fonds liegt zum Beispiel im vergangenen Jahr bei 80 Euro, unterlag jedoch Schwankungen. Den niedrigsten Wert erreichte die Anlage mit 75 Euro, der höchste lag bei 90 Euro. Die Differenz zwischen dem Höchst- und dem Tiefstwert betrug 15 Euro. Somit ist der Anteil dieser Differenz am Mittelwert von 80 Euro die Volatilität von 25 Prozent. Daher hatte der Fonds innerhalb von einem Jahr eine Schwankung von 25 Prozent um den Mittelwert.

Historische und implizite Volatilität – Bedeutung und Berechnung

Bei der Berechnung von Schwankungswerten gibt es vereinfacht gesehen den Blick zurück (Historische Volatilität) und den Blick nach vorne (Implizite Volatilität).

Historische Volatilität
Implizite Volatilität
Bei der „realized volatility“, der historischen Volatilität, handelt es sich um die Entwicklung von Basiswerten in der Vergangenheit. Kursschwankungen von Wertpapieren, aber auch Indizes und Basiswerte, werden im Nachhinein betrachtet und sind ein Mittel, um Risiken zu berechnen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Betrachtung für die zukünftige Entwicklung von Anlagen nur bedingt relevant ist. Die Schwankungsbreite von Wertpapierkursen kann sich ändern und lässt sich daher kaum in die Zukunft fortschreiben.

Bei der impliziten Volatilität ist die Beurteilung in die Zukunft gerichtet. Die implizite Volatilität beruht auf einer rein theoretischen Preisberechnung, bei welcher Optionen bewertet werden. Die aktuellen Marktpreise am Terminmarkt sind dabei die Berechnungsgrundlage. Indem sie diese berechnen oder zumindest die implizite Volatilität korrekt ermitteln, können Anleger:innen die Attraktivität von Optionsscheinen bewerten. Die offiziellen und vorab terminierten Bekanntmachungen, Berichtstermine und Quartalszahlen der Unternehmen lösen eine steigende implizite Volatilität aus. Solche Bekanntmachungen sorgenregelmäßig für Schwankungen der Kurse. Auch die Deutsche Börse ermittelt durch sogenannte Optionskontrakte den Volatilitätsindex, bzw. Volatilitäts-DAX.
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Volatilität berechnen

Die Formel: Die Wurzel aus: (1/n)*((a-i)2+(b-i)2).

Die Rechnung:

  • Sie erfolgt absolut oder prozentual.
  • Durch Definition von Anlagezeitraum und Kurswerten.

Wie nutzt man Volatilität?

Viele Menschen träumen von einem passiven Einkommen, indem sie an der Börse agieren. Doch schmale Renditen machen das Investieren in Fonds nicht immer attraktiv. Genau an dieser Stelle wird die Auseinandersetzung mit der Volatilität interessant! Anleger:innen können Kapital schlagen, indem sie Kursschwankungen genau beobachten und analysieren.

Die Formel lautet: Schwankungen erkennen – Schwankungen ausnutzen!

Es ist durchaus möglich, dass kluge Individual-Investor:innen Gewinne realisieren und den „Markt schlagen“. Das gelingt dann, wenn Anleger:innen prozentual zum Kapital mehr Geld verdienen, als der Finanzmarkt selbst wächst. Genau an dieser Stelle kommt die Volatilität ins Spiel. Die tägliche Schwankungsbreite des Marktes kann durch kurzfristige „Trades“ durchaus lohnende Momente bieten. Dabei wird der Finanzmarkt gerne mit dem Meer verglichen und die Anleger:innen mit Surfern: Bei hohen Wellen – also viel Volatilität – steigen die Chancen auf große Gewinne.

Kursschwankungen voraussehen

Anleger:innen können die Kursschwankungen voraussehen: Insbesondere in Zeiten politischer oder gesellschaftlicher Unruhen kommen die Kapitalmärkte in Bewegung. Kluge Chartananalytiker haben solche Entwicklungen und ihre Konsequenzen für die Märkte im Blick und beobachten sehr genau, wie sich die anderen Anleger:innen verhalten.

Der Chart ist die Abbildung der Preisbildung und die Entscheidungsgrundlage für die Kursveränderungen. Beobachten Anleger:innen die Charts genau, haben sie die Möglichkeit Kursschwankungen auszunutzen. In diesem Szenario sind allerdings langfristige und gesicherte Anlagehorizonte keine Grundlage, denn „Trader“ agieren kurzfristig und nutzen Markt-Ineffizienzen aus.

Es ist daher ratsam, die Grundzüge der sogenannten „Technischen Analyse“ zu beherrschen, um aus den Charts die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Allerdings ist Trading keine Handlungsstrategie, die sich kurzfristig erlernen lässt. Wenn Sie diese Fähigkeiten erlernen möchten, sind Geduld und Akribie gefragt. Die einfache Formel lautet: Hohe Volatilität = hohes Risiko. Sogenannte Niedrige-Volatilität-Aktien indessen bergen geringere Risiken.

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Der CBOE Volatility Index (VIX)

Der VIX – immer wieder als “Angstindex” bezeichnet – bemisst die erwartete Volatilität am Aktienmarkt. Grundlage ist der von Standard & Poors veröffentlichte Index der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen, der sogenannte S&P 500. Grundsätzlich ist dieser Index der am meisten beachtete und gilt als Vergleichsmaßstab (Benchmark) für institutionelle Anleger:innen. Den VIX selbst zu berechnen ist ausgesprochen kompliziert. Seine Ermittlung beruht auf dem “White Paper Cboe Volatility Index“.

Volatilitäts-ETF: Ein Invest in Kursschwankungen?

Ein „Exchange Traded Fund“, kurz ETF, ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird. Er bildet die Werteentwicklung eines Indizes ab, wie den DAX, ist mithin also ein börsengehandelter Indexfonds.

ETFs zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Für Anleger:innen bieten sie die Möglichkeit, mit nur einem Wertpapier inverschiedene Märkte zu investieren.
  • Mithin sind ETFs sinnvolle Bausteine für private Anlagen
  • Sie können wie Aktien an der Börse gehandelt werden.
  • Dieses Anlageinstrument ist nicht nur günstig und flexibel, sondern von allem überschaubar und breit diversifiziert.

Im Zusammenhang mit Kursschwankungen – der Volatilität – ist ein geeignetes Mittel zur Stabilisierung eines Portfolios zum Beispiel ein Short-ETF. Dabei ist jedoch ratsam zu beachten, dass bei steigenden Kursen Verluste entstehen können. Um Marktturbulenzen durchzustehen, können Anleger:innen mit einem Produkt auf die Volatilität an den Märkten zurückgreifen. Diese sogenannten Volatilitätsindizes können Trader über ETFs investieren und so teilweise hohe Renditen erzielen. Hier ist es allerdings ratsam zunächst abzuwarten, bis sich die Volatilität zurückgesetzt hat.

Volatilität und der Faktor Zeit

Die Berechnung der „normalen“ Volatilität ist abhängig vom angelegten Zeitraum. Einige Beispiele:

  • Die Volatilität deutscher Aktien lag in den vergangenen Jahren meistens unter 20 Prozent.
  • Die Volatilitätswerte der europäischen Märkte lagen in den vergangenen Jahrzehnten zwischen 20 und 30 Prozent.
  • Die US-amerikanischen Werte lagen  in den vergangenen Jahrzehnten bei 15 bis 25 Prozent.

Volatilität wird als Standardabweichung der Renditen eines Wertpapiers in einer im Vorfeld festgelegten Anzahl von Tagen klassifiziert und dient damit als Risikomaß. Möglich ist auch die Berechnung der monatlichen Volatilität. So können Anleger einen Durchschnittswert für die Entwicklung einer Anlage für einen Monat bilden. Die Unregelmäßigkeiten des Wertes werden dann als Standards gemessen und zeigen, wie stark sich der Fonds innerhalb von einem Monat vom Durchschnittswert entfernt hat.

Volatilitätsindizes werden normalerweise über einen Zeitraum von 30 bis 45 Tagen mitgeteilt. Dabei zeigt sich in der Regel, dass hohe Werte auf ein bewegtes Marktgeschehen hinweisen, während niedrige Werte eine ruhige Entwicklung erwarten, im Extremfall aber Seitwärtsbewegungen anzeigen.

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Berechnungsformel

  • Schlusskurs der jeweiligen Zeitspanne durch Schlusskurs desvorhergehenden Abschnitts dividieren und Renditen logarithmieren.
  • Durchschnitt (Mittelwert) der logarithmierten Renditen errechnen,indem die Varianz (Streuung) berechnet wird.
  • Wurzel aus der ermittelten Varianz ziehen.
  • Standardabweichung mit der Wurzel aus der Anzahl der Beobachtungszeiträume multiplizieren und damit Renditenannualisieren.

Wichtig: Bei Aktien wird die Vola für 30 oder 250 Tage, also die Börsenhandelstage eines Jahres, berechnet. Die Volatilitäts-Kennzahlen bei Fonds liegen zwischen einem und zehn Jahren. Volatilität wird zumeist für den Zeitraum von einem Jahr angegeben.

Zinsen, Inflation und Aktien

Trader sind gut beraten, wenn sie die Interaktion von Inflation, Aktien und Zinsen beachten.

Die Bedeutung der Inflation für die Volatilität

Inflation bedeutet eine Verteuerung der Preise von Konsumgütern. In den meisten Ländern wird sie über den Verbraucherpreisindex (VPI) ermittelt. Diesem liegt der Durchschnittspreis eines fiktiven Warenkorbs eines Haushaltes zugrunde. Er ist das Messinstrument der gesamten Wirtschaft und gilt auch im Lohn- und Rentensektor. Steigt der VPI, steigt auch der Preis der meisten Waren und Dienstleistungen. Solche Entwicklungen machen Investor:innen und Anleger:innen nervös, was natürlich eine direkte Auswirkung auf die Aktienkurse zur Folge hat.

Die Bedeutung von Aktien

Aktien bilden die zukünftigen Zahlungsströme (Cashflow) von Unternehmen ab. Sie werden auf Grundlage der Gewinne ermittelt. Unternehmenswert und Aktienkurs basieren daher gleichermaßen auf dem aktuellen Wert der zu erwartenden Zahlungsströme, was als Barwert bezeichnet wird. Was für einen Gegenstandswert ein Geldbetrag hat, hängt von den jeweiligen Zinssätzen und der Inflation ab. Die Frage, ob Aktien einen guten Inflationsschutz darstellen, ist differenziert zu betrachten. Im Grunde genommen können Aktien einen guten Schutz darstellen. Jedoch kommt es dabei darauf an, was für Wertpapiere die Anleger:innen kaufen. Dabei sind die Aktien von marktführenden Unternehmen relativ sicher vor einem Wertverlust durch eine Inflation, da diese Firmen aufgrund ihrer Marktmacht höhere Preise für Produkte festsetzen können und damit einer Inflation entgegenwirken.

Zudem treten Inflationen häufig nicht global, sondern lokal auf. Daher können international agierende Konzerne sich besser vor dem Wertverlustschützen. Gehen Gewinne in einem Teil der Welt zurück, kann dieser Verlust an anderen Orten kompensiert werden.

Weitere Sicherheitsfaktoren sind:

  • eine geringe Verschuldung des Unternehmens
  • kein allzu hoher Investitionsbedarf
  • eine weitgehende Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus

Somit können sich die Aktien von starken Unternehmen auch unter einer Inflation gut entwickeln und Sicherheit vor den wirtschaftlichen Folgen bieten.

Bedeutung von Zinsen und Zinssätzen

Eine Inflation hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Zinssätze. Wenn Zinsen sich verringern, können mehr Menschen einen Kredit aufnehmen. Dies hat zur Folge, dass Ausgaben steigen und die Wirtschaft wächst – aber auch Inflationrate steigt. Im Gegensatz dazu sinkt die Inflation, wenn die Zinssätze steigen. Dies hat zur Folge, dass Verbraucher über weniger Geld verfügen, die Wirtschaft geschwächt wird und damit die Inflation sinkt.

Die in Deutschland durch die Europäische Zentralbank festgeschriebenen Zinssätze werden in regelmäßigen Abständen durch Experten überprüft und ihre Auswirkungen auf die Geldpolitik betrachtet. Die stets kurzfristig festgelegten Zinssätze sollen zu einer ausgeglichenen Wirtschaft eines Landes führen. Für Händler:innen und Investor:innen sind die Entscheidungen von Zentralbanken ein besonders wichtiges Parameter, da manche Märkte auf diese Entwicklungen stark reagieren.

Volatilität – Faktencheck

Was ist Volatilität?
  • Volatilität misst die Schwankungsbreite von Wertanlagen und kann auf das Risiko einer Investition hinweisen. Mathematisch wird sie als Standardabweichung bezeichnet.
  • Bei der Berechnung unterscheidet man zwischen der historischen (rückschauende Betrachtung) und impliziten (zukünftige Betrachtung) Volatilität.
Als was findet Volatilität auf dem Finanzmarkt Verwendung?
  • Im Wirtschaftsleben wird Volatilität angewendet, um Schwankungen von Instrumenten oder Parametern messen zu können. Dabei kann es sich um Aktien, Fonds oder Zinsen handeln.
  • Die Volatilität wird dabei als Standardabweichung definiert, die durch die absolute oder relative Differenz zweier aufeinander folgender Perioden berechnet wird. Damit ist sie eine Abweichung vom Standardwert.
Was verursacht Volatilität?
  • Oftmals sind langfristige Preistrends die Ursache für volatile Entwicklungen. Hauptursache sind aber die Meinungsänderungen von Trader:innen, Investor:innen und Anleger:innen, die auf Unternehmensnachrichten reagieren und damit Kursziele und Limits anpassen.
Wie kann man Volatilität nutzen?
  • Es gibt zwei Möglichkeiten, um Volatilität zu handeln. Entweder können Anleger:innen Volatilitätsprodukte wie den VIX (Volatility Index) handeln. Oder Sie suchen direkt an den Finanzmärkten volatile Entwicklungen, die dort als schnelllebige und renditestarke Marktbewegungen von Trader:innen gehandelt werden.