Einnahmen-Überschuss-Rechnung einfach erklärt
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Definition: Was ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)?

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (kurz EÜR) ist eine einfache Form der Gewinnermittlung. Sie gilt als Alternative zur doppelten Buchführung (Bilanzierung) für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Freiberufler, die nicht buchführungspflichtig sind.

Die Bezeichnung „EÜR“ lässt sich durch die Form der Gewinnermittlung erklären: Hier wird der Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben als Gewinn verzeichnet. Die vereinfachte Formel lautet demnach:

Einnahmen – Ausgaben = Gewinn

Rechtsgrundlagen der EÜR: Was sagt das Gesetz?

Grundlage der EÜR ist das Einkommenssteuergesetz (§ 4 Abs. 3 EstG). Sie wird deshalb umgangssprachlich auch als „4/3-Rechnung“ bezeichnet. Dieser Abschnitt bestimmt u. a., wer die Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen darf:

Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen […] können als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen.

Nach § 60 Abs. 4 EStDV (Einkommensteuer-Durchführungsverordnung) muss die EÜR bei der Steuererklärung elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Hierfür wird das standardisierte Formular Anlage EÜR genutzt.

Wer muss bzw. darf die EÜR anwenden?

Jeder Unternehmer ist nach § 238 HGB (Handelsgesetzbuch) dazu verpflichtet, seine geschäftlichen Aktivitäten nachvollziehbar aufzuzeichnen. Einige Unternehmer sind zur doppelten Buchführung verpflichtet, andere können zur Gewinnermittlung die Einnahmen-Überschuss-Rechnung anwenden. Dies richtet sich zum einen nach der Unternehmensform (Gewerbe, Selbstständigkeit) und zum anderen nach den erzielten Umsätzen bzw. Gewinnen.

Infografik doppelte Buchführung oder EÜR: Wer ist buchführungspflichtig

Wer darf die EÜR anwenden? Finden Sie heraus, welche Unternehmen buchführungspflichtig sind und welche nicht.

Wer darf die EÜR machen? – Die Unternehmensformen

Grundsätzlich ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung folgenden Betrieben vorbehalten:

  • Kleinen Gewerbetreibenden
  • Freiberuflern / Selbstständigen
  • Landwirtschaftlichen Betrieben

Freiberufler dürfen in jedem Fall eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen. Gewebetreibende und landwirtschaftliche Betriebe sind an bestimmte Gewinn- und Umsatzgrenzen gebunden (siehe Tabelle unten). Werden diese überschritten, besteht auch hier die Pflicht zur doppelten Buchführung.

Gewinn- und Umsatzgrenzen bei der EÜR

Folgende, gesetzlich festgelegte Umsatz- und Gewinngrenzen gelten als Voraussetzung für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Diese beziehen sich immer auf zwei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre.

Unternehmergruppe Umsatzgrenze Gewinngrenze
Freiberufler
landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Betriebe 60.000 Euro / Jahr
Gewerbe (Einzelunternehmen, GbR) 600.000 Euro / Jahr 60.000 Euro / Jahr

Gewerbetreibende müssen hier besonders aufpassen: Bereits das Überschreiten einer der beiden Grenzen reicht aus, um zur doppelten Buchführung verpflichtet zu sein.

Die Umstellung von EÜR auf Bilanz

Sobald ein Unternehmen die Umsatz- oder Gewinngrenzen für die EÜR überschreitet, erhält dieses eine Benachrichtigung vom Finanzamt, dass es ab sofort buchführungspflichtig ist. Ab dem darauffolgenden Geschäftsjahr muss das Unternehmen dann den Jahresabschluss mit Bilanz und GuV machen. Um Doppelbuchungen zu vermeiden, ist bei der Umstellung von EÜR auf Bilanz der sogenannte Übergangsgewinn zu ermitteln.

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Einnahmen und Ausgaben

Grundlage für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist die Dokumentation der Einnahmen und Ausgaben für das jeweilige Geschäftsjahr.

Definition: Was sind Einnahmen und Ausgaben?

Grundsätzlich stellen Einnahmen eine Erhöhung des betrieblichen Geldvermögens dar, während Ausgaben dieses vermindern. Bei der EÜR unterscheiden sich die Begriffe Einnahmen und Ausgaben jedoch von der eigentlichen Definition in der Buchhaltung:
Tabelle: Definitionen von Einnahmen und Ausgaben in der Buchführung und EÜR
EÜR Doppelte Buchführung
Einnahmen Tatsächlich zugeflossene Einzahlungen Zugang von betrieblichen Geldvermögen
(Zahlungsmittel und Forderungen)
Ausgaben Tatsächlich getätigte Auszahlungen Abgang von betrieblichem Geldvermögen
(Zahlungen und Verbindlichkeiten)

Beispiele für Einnahmen

  • Betriebseinnahmen
  • eingenommene Umsatzsteuer
  • Einnahmen durch den Verkauf von Anlagevermögen
  • Private Nutzung des Firmenwagens

Beispiele für Ausgaben

  • Einkäufe von Waren und Rohstoffen
  • bezogene Dienstleistungen
  • Gehälter und Löhne
  • Abschreibungen (AfA)
  • Mietkosten
  • Reparaturkosten
  • Kosten für das Büromaterial
  • Internet- und Telefonkosten
  • gezahlte Vorsteuer
  • Gewerbesteuer
  • u.v.m.

Betriebsausgaben und Privatausgaben

Was sind Betriebsausgaben?

Betriebsausgaben sind betrieblich veranlasste Aufwendungen. Diese entstehen also aus der Selbstständigkeit oder dem Gewerbe heraus. Die Ausgaben müssen nicht unbedingt notwendig sein, aber mit dem Betrieb in Zusammenhang stehen und ihm dienen (z. B. Sponsoring). Betriebsausgaben mindern in der Regel den Gewinn des Unternehmens. Es gibt aber auch einige Aufwendungen, die durch den Betrieb entstehen, sich aber nicht gewinnmindernd auswirken. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Geschenke über 35 Euro an Nicht-Arbeitnehmer
  • sehr hohe Bewirtungskosten
  • Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer

Alle Betriebsausgaben, die den Gewinn nicht oder nicht vollständig mindern, sind im Einkommensteuergesetz § 4 Abs. 5 festgeschrieben.

Was sind Privatausgaben?

Das Gegenteil von Betriebsausgaben sind Privatausgaben, also Aufwendungen für die private Lebensführung. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Lebensmittel
  • Mietkosten für die Privatwohnung
  • Ausgaben für Kleidungsstücke
  • Kosten für Hobbys

Privatausgaben sind nicht gewinnmindernd, selbst wenn sie aus den Einkünften des Geschäfts bezahlt werden.

Das Zufluss- und Abflussprinzip

Das sogenannte Zu- und Abflussprinzip bezieht sich auf die Erfassung der Einnahmen und Ausgaben.

Was ist das Zufluss- und Abflussprinzip bei der EÜR?

Für die Erfassung von Einnahmen und Ausgaben gilt bei der EÜR der Zeitpunkt des tatsächlichen Zahlungszuflusses und -abflusses (§ 11 EstG):

  • Zuflussprinzip: Einnahmen dürfen erst dann erfasst werden, wenn Sie bereits auf das Konto des Unternehmers geflossen sind. Forderungen sind keine Einzahlungen und werden daher in der EÜR nicht als Einnahmen behandelt.
  • Abflussprinzip: Ausgaben werden erst nach Abgang vom Konto erfasst. Offene Verbindlichkeiten stellen keine Auszahlung – im Sinne der EÜR also keine Ausgabe – dar.

EÜR erstellen: Wie funktioniert die Gewinnermittlung bei der EÜR?

Mit der EÜR ermitteln Kleinunternehmer und Freiberufler ihren Gewinn, um diesen bei der Steuererklärung an das Finanzamt zu übermitteln. Doch wie muss die EÜR am Ende aussehen? Und wie geht man bei der Erstellung vor?

Beim Jahresabschluss mit der EÜR ist eine gute Vorbereitung das A und O. Wenn Sie die Vorarbeit geleistet haben, ist das richtige Ausfüllen der Anlage EÜR und die elektronische Übermittlung an das Finanzamt ein Kinderspiel.

Die Grundlage für die EÜR: Das Journal

Im Journal werden alle Betriebseinnahmen und -ausgaben einzeln aufgelistet und entsprechend der Anlage EÜR der passenden Kategorie zugeordnet. Das erleichtert das spätere Ausfüllen der Anlage EÜR enorm. Es werden sowohl Brutto- als auch Nettobeträge dokumentiert.


Grundsätzlich kann das Journal in Excel-Tabellen geführt werden. Jedoch ist der Einsatz einer EÜR Software zu empfehlen, da diese die eingetragenen Einnahmen und Ausgaben automatisch in die Anlage EÜR überträgt.

EÜR und Kassenbuch

Im Kassenbuch ist der Barbestand des Unternehmens vermerkt.

Die Kassenbuch-Pflicht gilt jedoch nur für Bilanzierende. Unternehmer, die zur Gewinnermittlung die Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen dürfen, sind auch gleichzeitig von der Pflicht zur Kassenbuchführung befreit.

Wareneingangs- und Warenausgangsbuch

Wareneingangs- und Warenausgangsbücher beinhalten alle Rohstoffe und Waren, die eingekauft oder verkauft werden.

Verzeichnis über die Anlagegüter

Wie bei der Bilanzierung werden Anlagen, die dazu bestimmt sind, dem Betrieb über einen längeren Zeitraum zu dienen, über mehrere Wirtschaftsjahre abgeschrieben. Anlagen sind zum Beispiel Grundstücke, Fahrzeuge oder Maschinen. Sie werden nicht sofort als Betriebsausgabe verbucht, sondern in einem Anlageverzeichnis erfasst und je nach Anlage über zwei, drei, vier oder mehr Jahre abgeschrieben.

EÜR Software Tipp

Mithilfe der Cloud-Lösung lexoffice ist die Buchhaltung schnell erledigt – auch von unterwegs. Einfach Einnahmen und Ausgaben eintragen oder Belege mit der kostenlosen App erfassen und die Daten werden automatisch in die Anlage EÜR übertragen. Ihre Vorteile:

  • intelligente Belegerfassung dank Texterkennung (OCR)
  • automatische Kategorisierung der Einnahmen und Ausgaben
  • Anlage EÜR automatisch ausgefüllt
  • Einfache Übermittlung der EÜR ans Finanzamt
Zur EÜR Software lexoffice

Die Anlage EÜR: Das offizielle Formular für die Steuererklärung

Das Bundesfinanzministerium führte 2005 mit der Anlage EÜR ein Formular ein, das den Aufbau der EÜR bestimmt. Dieses dient dazu, die Posten zu Einnahmen, Ausgaben, Rücklagen und Entnahmen eines Unternehmens zu dokumentieren und den Gewinn zu ermitteln. Die Anlage EÜR umfasst drei Seiten zzgl. ergänzende Anlagen und wird im Rahmen der Einkommensteuererklärung elektronisch an das Finanzamt übermittelt. Dafür steht das Online-Portal ELSTER (www.elster.de) zur Verfügung.

Achtung: Keine formlose Gewinnermittlung mehr möglich!

Seit 2017 gilt die Regelung der formlosen EÜR nicht mehr. Auch Unternehmer mit Betriebseinnahmen unter 17.500 Euro sind seit Veröffentlichung der Anlage EÜR 2017 verpflichtet, die EüR mit dem Standard-Formular an das Finanzamt zu übermitteln.

Gliederung und Bestandteile der EÜR

Die Einnahmenüberschussrechnung ist gegliedert in einen Hauptteil und mehrere Anlagen.

* Die Anlagen ER, SE und AVSE müssen nur von Beteiligten von Personengesellschaften ausgefüllt werden.
Bezeichnung Bedeutung Seiten
Anlage EÜR Einnahmenüberschussrechnung 3
Anlage AVEÜR Anlageverzeichnis/ Ausweis des Umlaufvermögens 1
Anlage ER* Ergänzungsrechnung 2
Anlage SE* Sonderberechnung 3
Anlage AVSE* Anlageverzeichnis zur Anlage SE 2

Aufbau der Anlage EÜR

Die Anlage EÜR ist wie folgt aufgebaut:

  • Informationen zum Betrieb (Zeilen 5 – 10)
  • Betriebseinnahmen (Zeilen 11 – 22)
  • Betriebsausgaben (Zeilen 23 – 65)
  • Gewinnermittlung (Zeilen 71 – 86)
  • Rücklagen und stille Reserven (Zeilen 87 – 90)
  • Entnahmen und Einlagen (Zeilen 91 – 92)

Die Anlage EÜR zum Ausdrucken

>> Hier gelangen Sie zur aktuellen Anlage EÜR für 2018>>

Vorschau Formular zur Anlage EÜR

Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben in der Anlage EÜR

Einnahmen und Ausgaben sind in der Anlage EÜR in folgende Kategorien eingeteilt. Es empfiehlt sich, die Einnahmen und Ausgaben bereits im Journal den entsprechenden Posten zuzuordnen. Das erleichtert später das Ausfüllen der Anlage EÜR.

  • Netto-Einnahmen umsatzsteuerpflichtiger Betriebseinnahmen
  • vereinnahmte Umsatzsteuer
  • umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen
  • Sachentnahmen
  • Verkauf / Entnahme von Anlagevermögen
  • private Nutzung von Geschäftseigentum (Fahrzeuge, Telefon etc.)
  • Wareneinkäufe (Nettobetrag)
  • Dienstleistungen (Nettobetrag)
  • abziehbare Vorsteuerbeträge
  • Personalkosten (Löhne, Gehälter, Versicherungsbeiträge, etc.)
  • Abschreibungen (AfA)
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)
  • Miete
  • Kosten für Strom, Gas und Wasser
  • Versicherungskosten
  • Telefon-, Fax- und Internetkosten
  • Reisekosten
  • Kfz-Kosten
  • Werbungskosten
  • eingeschränkt abziehbare Betriebsausgaben (Bewirtungskosten, Geschenke, etc.)
  • Reparatur- und Instandhaltungskosten
  • Zinsen
  • an das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer

Besonderheiten der EÜR

Obwohl die Einnahmenüberschussrechnung eine stark vereinfachte Form der Gewinnermittlung ist, müssen auch hier verschiedene Besonderheiten bei der Buchhaltung beachtet werden, zum Beispiel was die Verwaltung von Anlagevermögen und Abschreibungen, Kredite und Sacheinnahmen angeht.

Anlagenbuchhaltung bei der Einnahmenüberschussrechnung

Kleinere Gewerbetreibende, Freiberuflicher und landwirtschaftliche Betriebe sind zwar von der doppelten Buchhaltung befreit, sie müssen jedoch eine einfache Form der Anlagenbuchhaltung machen. Hinsichtlich der Verwaltung und Abschreibung von Anlagegütern unterliegen diese der Pflicht, ein Anlagenverzeichnis (Anlage AVEÜR) zu führen. Hier werden wichtige Informationen über die angeschafften Wirtschaftsgüter festgehalten, wie zum Beispiel:

  • Nettokaufpreis
  • gezahlte Vorsteuer
  • Laufzeit der Abschreibungen
  • Höhe der Abschreibungen
  • abnutzbares / nicht abnutzbares Anlagevermögen

Zu den nicht abnutzbaren Wirtschaftsgütern zählen zum Beispiel Grundstücke oder Finanzanlagen. Abnutzbare Wirtschaftsgüter sind dagegen Fahrzeuge, Maschinen oder elektronische Geräte. Welche Anlagen wie lange abgeschrieben werden, kann man den sogenannten AfA-Tabellen (Absetzung für Abnutzung) entnehmen.

Behandlung von Krediten bei der EÜR

Kredite haben keine Auswirkungen auf den Gewinn, weder die Auszahlung des Darlehens noch die Tilgung desselben. Das gilt sowohl für Darlehen, die die Bank zur Verfügung stellt als auch für Privatkredite. Alle Kosten, die mit dem Darlehen verbunden sind, beispielsweise Zinsen oder Provisionen, gehören jedoch zu den Betriebsausgaben und mindern den Gewinn des Unternehmens.

Sacheinlagen und ihre Auswirkungen auf den Gewinn

Wer ein Unternehmen gründet, der bringt vielleicht das ein oder andere Wirtschaftsgut mit in das Geschäft ein – zum Beispiel einen vorhandenen Drucker oder einen PC. Wenn diese privaten Güter zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt werden, werden sie komplett in das Unternehmen eingelegt und wie andere Wirtschaftsgüter behandelt und abgeschrieben. Der PC, Drucker oder ein anderes Wirtschaftsgut wird immer mit dem Wert eingelegt, den es zum Zeitpunkt der Einlage in das Geschäft hat. Ein im Vorjahr angeschaffter Drucker ist also nicht mehr so viel wert wie am Tag des Einkaufs, selbst wenn er noch nicht genutzt wurde.

Geldeinlagen werden getrennt von den Sacheinlagen betrachtet. Monetäre Privateinlagen haben keine Auswirkungen auf die Gewinnermittlung. Sie werden genauso behandelt wie Kredite oder private Darlehen.

Was ist der Unterschied zwischen EÜR und Bilanzierung?

Die EÜR ist eine wesentlich einfachere Form der Gewinnermittlung und unterscheidet sich in vielen verschiedenen Punkten von der Gewinnermittlung durch Bilanzierung. Die doppelte Buchführung – einschließlich der Erstellung der Bilanz – ist zwar enorm aufwendig, jedoch kann die freiwillige Bilanzierung auch für Kleinunternehmer einige Vorteile haben.

Unterschiede bei der Gewinnermittlung

  • EÜR:
    Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung werden lediglich die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben gegenübergestellt. Die Differenz ergibt den Gewinn des Unternehmens.
  • Bilanzierung:
    Ein bisschen komplizierter macht es die Bilanzierung. Hier werden Aktiva (Anlagevermögen und Umlaufvermögen) und Passiva (Eigenkapital und Fremdkapital) einander gegenübergestellt. Anschließend wird eine Gewinn- und Verlustrechnung für einen bestimmten Zeitraum oder das ganze Geschäftsjahr erstellt.

Besonderheiten in der Erfassung von Forderungen und Verbindlichkeiten

  • Bilanzierung:
    Bei der Bilanzierung werden die Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung sofort erfasst, auch wenn sie noch nicht beglichen wurden.
  • EÜR:
    Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben werden erst dann erfasst, wenn sie bezahlt wurden. Es gibt hier also keine Forderungen und Verbindlichkeiten wie bei der Bilanzierung.

Behandlung von Bestandsveränderungen (Inventur)

  • Bilanzierung:
    Hier muss einmal jährlich, nämlich am Ende eines jeden Geschäftsjahres, eine Inventur gemacht werden. Bei der Inventur wir das Betriebsvermögen gezählt, gewogen, gemessen oder mithilfe von Unterlagen ermittelt und dokumentiert. Die Inventur ist eine wichtige Grundlage für die Gewinn- und Verlustrechnung. Zur Inventur sind nur buchführungspflichtige Unternehmen verpflichtet.
  • EÜR:
    Gewerbetreibende und Freiberufler, die nur zur Abgabe einer EÜR verpflichtet sind, müssen keine Inventur zur Ermittlung des Betriebsvermögens durchführen.

Unterschiede bei der Umsatzsteuer

  • EÜR:
    Bei der Einnahmenüberschussrechnung wird die Umsatzsteuer zunächst als Einnahme Sobald das Finanzamt die Vorsteuer vom Unternehmenskonto abgebucht hat, wird die Vorsteuer als Ausgabe verbucht.
  • Bilanzierung:
    Hier ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten, also eine gewinnneutrale

Vor- und Nachteile von EÜR und Bilanzierung

Die EÜR ist zwar wesentlich einfacher und weniger zeitaufwendig als die Bilanzierung, sie birgt aber auch Nachteile für den Unternehmer. Die Bilanzierung erlaubt nämlich einen wesentlich umfassenderen wirtschaftlichen Blick auf das Unternehmen. So fallen wichtige, zukunftsorientierte Entscheidungen leichter. Auch die Banken schätzen eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage, wenn es um die Vergabe von Krediten geht. Die Bilanzierung ist aber auch kostenintensiver für den Unternehmer. Deshalb sollte man genau abwägen, welche Form der Gewinnermittlung für das eigene Unternehmen sinnvoll ist – auch wenn man theoretisch zur EÜR berechtigt ist.

EÜR Bilanzierung
Vorteile
  • keine Fachkenntnisse erforderlich
  • keine Inventur notwendig
  • keine Bestandskonten
  • kein Kassenbuch erforderlich
  • kostengünstiger
  • höhere Liquidität, da bspw. Steuern erst anfallen, wenn Geld zugeflossen ist (Zu- / Abflussprinzip)
-> einfachere Gewinnermittlungsmethode mit geringerem Zeitaufwand
  • ausführliche Darstellung der Vermögenslage
  • wichtige zukunftsorientierte Entscheidungen fallen leichter
  • in Bankinstituten die bevorzugte Aufstellung bei der Kreditvergabe
-> umfassender wirtschaftlicher Blick auf das Unternehmen ermöglicht bessere Finanz- und Liquiditätsplanung
Nachteile
  • keine Ermittlung des tatsächlichen Wareneinsatzes möglich (da keine Inventur)
  • Vermögenswerte nicht sichtbar (da keine Forderungen bzw. Verbindlichkeiten abgebildet werden)
  • erfordert Know-how
  • höherer Zeitaufwand
  • höhere Kosten

EÜR: Umsatzsteuer und Vorsteuer nicht vergessen

Umsatzsteuer und Vorsteuer werden auf verkaufte Produkte oder Dienstleistungen erhoben (§ 12 UStG):

  • Die Umsatzsteuer weist das Unternehmen beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen auf der Ausgangsrechnung
  • Die Vorsteuer ist beim Einkauf von Produkten oder Leistungen fällig und wird auf der Eingangsrechnung ausgewiesen.

Umsatzsteuer und Vorsteuer werden in der EÜR anders behandelt als bei der Bilanzierung und haben Einfluss auf den Gewinn eines Unternehmens. Mehr zu den Unterschieden hier.

Behandlung von Umsatzsteuer und Vorsteuer in der EÜR

Die Umsatzsteuer, die der Kunde auf die Waren des Unternehmens zahlt, wird zunächst als Betriebseinnahme verbucht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Umsatzsteuer 19 Prozent, 7 Prozent oder einen abweichenden Prozentsatz beträgt. Wichtig ist nur, dass die Prozentsätze richtig ausgewiesen werden. Mit der Umsatzsteuervoranmeldung erhält das Finanzamt die Information über die eingenommene Umsatzsteuer.

Ähnlich verhält es sich mit der gezahlten Vorsteuer auf Eingangsrechnungen (zum Beispiel beim Kauf von Rohstoffen, die weiterverarbeitet wurden). Diese wird in der EÜR als Betriebsausgabe erfasst.

Verrechnung von Umsatzsteuer und Vorsteuer

Mit der Umsatzsteuervoranmeldung werden dem Finanzamt die Umsatz- und Vorsteuerbeträge mitgeteilt. Dabei werden die Umsatzsteuer- und Vorsteuerbeträge gegengerechnet. Aus der Differenz von Umsatzsteuer und Vorsteuer geht die Umsatzsteuerzahllast hervor:

  • Umsatzsteuerbetrag > Vorsteuerbetrag → Umsatzsteuerzahllast
  • Umsatzsteuerbetrag < Vorsteuerbetrag → Vorsteuerüberhang / Rückerstattung

Weitere Infos hierzu finden Sie unter: Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Vorsteuer

Ausnahmeregelung für Kleinunternehmer

Kleinunternehmer sind die einzigen Personen, die bei der EÜR von der Aufzeichnung von Umsatzsteuer und Vorsteuer ausgenommen sind. Kleinunternehmer erwirtschaften weniger als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr. Wer der Kleinunternehmerregelung unterliegt, weist auf den eigenen Rechnungen keine Umsatzsteuer aus und muss diese demnach auch nicht an das Finanzamt abführen. Gleichzeitig bekommen Kleinunternehmer aber auch die gezahlte Vorsteuer nicht vom Finanzamt zurückerstattet.

Beispiele für eine EÜR

Eine EÜR besteht im Grunde genommen aus einer Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Diese werden nach festgelegten Arten aufgelistet. Die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben ist der Jahresüberschuss bzw. Gewinn des Unternehmens. Dieses Beispiel verdeutlicht die Gewinnermittlung bei der EÜR:

Betriebseinnahmen
Netto-Einnahmen umsatzsteuerpflichtiger Betriebseinnahmen 200.000 Euro
Vereinnahmte Umsatzsteuer 38.000 Euro
Umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen 0 Euro
Sachentnahmen 2.000 Euro
Verkauf / Entnahme von Anlagevermögen 5.000 Euro
Private Nutzung der Geschäftsfahrzeuge 500 Euro
Private Nutzung des Geschäftstelefons 100 Euro
Summe der Betriebseinnahmen 245.600 Euro
Betriebsausgaben
Wareneinkäufe (Netto) – 80.000 Euro
In Anspruch genommene Dienstleistungen (Netto) – 10.000 Euro
Abziehbare Vorsteuerbeträge (19 Prozent) – 17.100 Euro
Abziehbare Vorsteuerbeträge (7 Prozent) 0 Euro
Personalkosten – 40.000 Euro
Abschreibungen – 2.000 Euro
Geringwertige Wirtschaftsgüter – 1.000 Euro
Miete – 10.000 Euro
Kosten für Strom, Gas, Wasser – 2.000 Euro
Versicherungskosten – 1.000 Euro
Telefon-, Fax- und Internetkosten – 300 Euro
Porto – 100 Euro
Kosten für Büromaterial – 100 Euro
Reisekosten – 300 Euro
Kfz-Kosten – 2.000 Euro
Werbungskosten 0 Euro
Eingeschränkt abziehbare Betriebsausgaben (z.B. Geschenke) – 150 Euro
Reparatur- und Instandhaltungskosten – 1.200 Euro
Zinsen – 300 Euro
An das Finanzamt gezahlte Umsatzsteuer – 35.000 Euro
Summe der Betriebsausgaben – 202.550 Euro
Jahresüberschuss 43.050 Euro

In diesem Beispiel übersteigen die Einnahmen die Ausgaben. Das bedeutet einen positiven Jahresüberschuss bzw. Gewinn.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung zusammengefasst:

  • Die EÜR ist eine einfache Form der Gewinnermittlung, die die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben eines Unternehmens gegenüberstellt.
  • Die EÜR gilt für nicht-buchführungspflichtige Unternehmen. Dazu gehören Freiberufler, landwirtschaftliche Betriebe und kleine Gewerbebetriebe, die bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreiten.
  • Bei der Erfassung von Einnahmen und Ausgaben gilt das Zu- und Abflussprinzip. Das bedeutet, dass diese erst zum Zeitpunkt des Zahlungsausgleichs gebucht werden dürfen.
  • Zur Gewinnermittlung wird das Formular Anlage EÜR ausgefüllt und elektronisch an das Finanzamt übermittelt.
  • Wer die EÜR anwendet, muss mit einigen Besonderheiten vertraut sein, wie z. B. mit der Behandlung von Umsatzsteuer und Vorsteuer oder der Anlagenbuchhaltung.